Samstag, 26. November 2005

eBay and the smart Internet World

Habe heute eine „Internet World Business“ zwischen die Griffel bekommen. Es ist zwar die ältere Ausgabe (13/05), aber durchaus interessant. Wenn ich schon bis Januar 2006 warten soll, bis ich wieder in „DSLspeed“ durchs Netz husche, bin ich froh dass ich wenigstens irgendwas zu lesen habe und von der Fensterkante aus drei Balken GPRS zum Bloggen abkrieg. Aber nicht schon wieder Dienstleister-Motze, sondern mal wieder was Substanzielles jetzt.

Der Aufmacher (Smarte Shops für starke Marken (PDF)) thematisiert nämlich die Prognose von Matthias Schrader vom Fischmarkt drüben. Der Handel müsse sich warm anziehen, im Internet neu erfinden. Und: Der Erfolg von eBay sei die Niederlage der Marken. Insgesamt sehr guter Artikel. Kurios nur, dass ich im März in dieses Blog einen Eintrag gehämmert habe, leider bislang in der Kategorie „unvollendet & unveröffentlicht“, mit der Überschrift:„eBay macht die Marke stark.“
Jetzt wie kommt das und warum ist das so ein Widerspruch, der doch keiner ist?

Erstens: eBay ist gut für die Marke.


Ganz einfach. Das, was ich meine, meint starke Marken, mit Strategie. Die gewinnen natürlich durch eBay. Beispiel. Warum soll ich einen No-Name Kinderwagen von minderer Qualität bei eBay ersteigern? Sicher, das Ding fährt bestimmt auch. Ich kauf es für 50 Euro und dann werf ich es ein Jahr später auf den Schrott. 50 Euro versenkt. Zumindest denke ich das. Aber weil man mittlerweile viele Gebrauchsgegenstände nicht nur kauft, sondern auch wieder verkauft, nehme ich doch lieber den bekannten Klassiker für 150 Euro. Dann verkauf ich ihn nach einem Jahr wieder für 150 Euro, oder?
Noch ein Beispiel für alle, die behaupten Apple sei teuer: Habe anfang des Jahres mein gebrauchtes ibook verkauft. Alter: Knapp 2 Jahre. Erzielter Preis: Knapp 650 Euro. Nach 2 Jahren Gebrauch 60% des Neupreises! Gut, es war kurz nach Weihnachten und die Apple-Nutzer haben eh einen an der Waffel, aber das zieht sich so durch. Muss man nur mal gucken da.

Zweitens: eBay ist schlecht für die Marke.


Anderes Beispiel, dieses Mal „eBay macht Marken kaputt“ und die Negativ-Spirale aus dem IW Artikel: Es widerstrebt mir zwar, in diesem völlig unklinischen Kanal von Mundhygiene zu berichten, aber das Beispiel passt nunmal ganz gut. Also. Ich bin jahrelang in den nächsten Drogeriemarkt gedackelt, um mir fluchend meine Portion „Oral B“ von Braun zu kaufen, wie ein Süchtiger, sobald die Borsten (wie es in der Anleitung steht) auch nur einen Hauch "verblassen": 3 mal Megaschwingkopf mit rotierenden Borsten für sackteure 10-12 Euro das Stück und bunten Plastekringeln (toll). Um so mehr hab ich geguckt, als ich für einen Kollegen irgendwann mal ein eBay-Paket mit 20 mal Megaschwingkopf Oral B aus dem Briefkasten gefischt habe. Knapp 25 Euro, sagt er, mit einem funkelnden Lächeln. Das wars. Danke, Braun. Ich werde nie wieder woanders eure Megaschwinköpfe Zahnbürstchen kaufen.

Trotzdem stelle ich noch zwei Aussagen aus dem Artikel in Frage: Flagshipstore, emotionale Webauftritte und Marken als Retailer hin oder her. Ich glaube auch weiterhin, das häufig auch gilt: wenn die Leute Turnschuhe kaufen wollen, wollen Sie Turnschuhe. Das heißt: Auswahl, Marken, zum besten Preis. Und dann surfen sie -- vor allem in der vielbesungnen Bloggerzukunft -- nicht unbedingt bei Adidas, Nike oder Lacoste rein um sich becircen zu lassen – sondern in (Blogs und) einen Shop mit guten Turnschuhen.

Und, zweitens: ausgerechnet die Reiseanbieter sind ein Vorbild für smarte Shops? Oha! Hat schonmal jemand versucht, husch und weg im Internet seine Reise zusammenzuklicken? Scheusslich. Bei weg.de und opodo kann man sich wenigstens die Fluglinie aussuchen und Hin & Rückflug mixen. Aber warum ist es eigentlich so ein Hack, mal eine Suche direkt nach Preisen anzubieten? Bin ich der einzige, der ein halbes Jahr im voraus seine Reise bucht und bei Reiseziel und -zeit durchaus flexibel ist? Ich wink schonmal zum Abschied und sag: web2.0, hier lang.

A propos, und das zum Schluss. Ebenfalls aus derselben Publikation, direkt auf der Titelseite: Während der Autor verschreckt die bisweilen kaum nachvollziehbare Web2.0 Diskussion im deutschen Blognetzwerk verfolgt, handeln andere -- und bieten schon mal „professionelle Weblog-Betreuung ab 100 Euro“ an, um neue Produkte vorzustellen, das Image zu transportieren etc. Blogs are King. Content is King. Wird hier das web2.0 begradigt, bevor es überhaupt definiert wird? Bitte nicht schon wieder dieselben Fehler machen.
Da danke ich Robert für diesen Satz: Forget the Hype and Build Cool Stuff. PS: Ein bisschen Spass muss sein.

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