Gedanken zum Thema Targeting

Hallo Ami!

Irgendwie (über die PR-Frau Koschade) landete diese "Anstiftung" zum Nachdenken von Frank Puscher mit folgenden drei Thesen hier bei Dorten und auf meinem Tisch:

These 1:
Targeting ist für Agenturen ein Problem, weil sie zu wenig daran verdienen.

These 2:
Bei den Vermarktern fehlt die qualifizierte Reichweite zu den meisten Themen.

These 3:
Die Lösung könnten Targeting-Netzwerke wie Wunderloop und Co. sein, die Vermarkter wollen da aber nicht so richtig mitspielen.

Mal eben nachgedacht ...

Problem 1:

Targeting muss eigentlich beim Produkt und bei der Markenpositionierung anfangen. Wer erst beim Marketing anfängt, über Targeting nachzudenken, ist ziemlich spät dran.

Problem 2: Verkäuferschule

Wenn Agenturen an Targeting kein Geld verdienen, kann das eigentlich nur daran liegen, dass sie es ihren Kunden nicht richtig verkaufen. Oder daran, dass sie das falsche Geschäftsmodell haben. Oder beides.

Denn wenn Targeting wirklich funktioniert – wovon ich mal ausgehe, unsere Erfahrungswerte bei Dorten sprechen eher dafür als dagegen, auch wenn es sich bei unseren Projekten nicht um Online-Werbung im klassischen Sinn handelt – dann müsste man es dem Kunden auch verkaufen können. Alles, was dem Kunden mehr Geld was bringt, kann man ihm auch verkaufen. Ganz platt gesagt.

Problem 3: Brave New Marketing World

Targeted Marketing ist immer noch Marketing. Hersteller XY kann noch so sehr targeten, damit in meinem Briefkasten nur Sachen landen, die eigentlich relevant für mich sein müssten. Aber: Ich habe ihn um diese Zustellung nicht gebeten. Man könnte also sagen: Targeted Marketing ist immer noch Spam.

Das ist, als ob die Hersteller sich darum bemühten, immer gebündeltere Signale in die Radioempfänger der Konsumenten zu senden, ohne dabei zu bedenken, dass die Zielgruppe diese Apparate längst abgeschaltet hat (oder nur noch „targeted“ einschaltet). Da kann man noch so zielgenau senden, es hört keiner zu. Bildlich gesprochen, trifft aber auf fast jede Art von Werbung zu.

Vielleicht sollten wir mal damit aufhören, nach dem „Huxleyschen Prinzip“ den Menschen ständig was einflüstern zu wollen. Dauerbeschallung führt halt nicht zu mehr „Gehorsam“, sondern zu Taubheit.

Problem 4: Schrotflinten ab ins Korn.

Targeting bedeutet, die Anzahl der Adressaten/Empfänger je Botschaft einzuschränken. Damit sinkt natürlich die Reichweite herkömmlicher Kanäle. Was aber nichts macht, wenn dafür der Streuverlust geringer wird und die Conversion durch die Decke geht. Dass Targeting beides nicht wirklich garantieren kann, sollte jedem klar sein. Nur: nicht-Targeting garantiert auch für nichts. Außer für „Geld weg“.

Vielleicht sollten Vermarkter lieber darüber nachdenken, ob und wie man die herkömmlichen Kanäle und Prozesse durch andere, effektivere Methoden ersetzen kann. Für die kann man dann auch guten Gewissens wieder richtig Geld verlangen.

Manchmal muss man eben die Pistole neu erfinden, anstatt krampfhaft zu versuchen, den Streuwinkel von Schrotgewehren zu verkleinern.

Oh, und da wäre da noch dieser ominöse „Long-Tail“ und das alte deutsche Sprichwort „Kleinvieh macht auch Mist“. Daran sollte man beim Thema Targeting vielleicht ab und zu denken.

Problem 5: Scharfschützenkurs

Da fällt mir noch der nicht ganz unwichtige Hinweis ein, dass man mit einer Scharfschützentaktik immer noch den Richtigen erwischen muss, um ein das gewünschte Resultat zu erzielen. Marketingblahblahtechnisch muss man wohl „einfach nur“ die Opinionleader pampern, damit sie die heilige Buzzkuh viral von mouth to mouth durch die Blogosphäre treiben.

Kommt man mit Targeting an diese Multiplikatoren ran? Wenn ja, wäre das schon die halbe Miete.

Aber noch mal: Vielleicht muss man sich mal was Neues ausdenken. Wir arbeiten dran.

So. Angeregt drüber nachgedacht, beim Grillfest auf der Wiese, mit Schwager, Schwägerin, Neffe, Nichte und Frau.

Und jetzt Du.
Schönen Gruß, Tommi.


PS: In Buhsland kommen die Oliven, der Honig und der Herrmann aus Rohren. Sagt mein Neffe (3 Jahre).

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