Montag, 14. April 2008

Wir müssen darüber reden

Ich habe in der Gründerszene einen Artikel zum Thema "corporate blogging" geschrieben. Bin dabei ganz erschrocken als ich sah, dass der Spreadblog mittlerweile auch schon zwei Jahre alt ist. Gerade in der letzten Zeit merkt man aber, dass es sich lohnt, jemanden zu haben der "dedicated" ist (Danke @ TobiH ;).
Jedenfalls habe ich natürlich einen dicken Roman abgeliefert, der viel zu lang(weilig) war, und nachdem ich das Teil einem kurzen Realitätscheck unterzogen habe, merkte ich dass Robert Basic erst ein dickes Pamphlet zum Thema Startups und Corporate Weblogs verfasst hatte. Also die Hälfte wieder rausgeschmissen, und hier nun ein kleiner Teil der "B-Seite".

Was ich hier nämlich kurz vorbringen wollte, ist das Ding mit dem Thema "Agenda Setting". Gerade bei Startups sollte man doch alles daran setzen, dass die Leute frühstmöglich ihre Idee unters Volk bringen. Stattdessen "Und, was machst du so?" - "Och, das ist ein Projekt, an dem wir seit 2 Jahren im Stealth-Modus arbeiten - sobald es soweit ist, schick ich dir mal ne Einladung zur "Closed beta"."

Ich frage mich immer, was das Geheimgetue bringt. Aufmerksamkeit? Vielleicht - für 5 Minuten. Oder ist eher fehlendes Selbstbewusstsein, die Angst davor, dass andere es als Scheiß-Idee identifizieren und das Ding auseinander nehmen? Okay, man muss ja nicht ständig über ungelegte Eier reden - aber andererseits ist es mittlerweile die beste Methode, sein geistiges Eigentum zu schützen - indem man als erster damit in die Öffentlichkeit geht.

Einer meiner Lieblingssätze in dem Zusammenhang ist ja "Who said it first, did it first" (keine Ahnung von wem das Zitat stammt, bestimmt naked conversations oder so).
Jedenfalls finde ich, dass wir eine recht paradoxe Einstellung zu "Ideen" haben. Wir hüten sie einerseits wie Schätze, dabei weiß jeder wie flüchtig eine Idee sein kann, wenn man sie nicht umsetzt und wenn man nicht an sie glaubt. Anstatt die Idee kundzutun, sie stark zu machen, oder wenigstens andere zu inspirieren, schweigen wir sie tot.
Und umgekehrt: wenn wir eine Idee dann umgesetzt haben, Monate vor uns hingefrickelt, beklagen wir uns darüber, dass niemand über unsere Plattform oder Service redet.

Daher nochmal: Redet drüber. Gerade wenn ihr eine Idee habt, die ihr umsetzen wollt, vergesst den ganzen "stealth mode" Quatsch - Wettbewerber gibt es in ein paar Wochen eh genug, wenn eure Idee gut ist. Wenn es nicht schon woanders ohnehin was ähnliches gibt, und ihr wusstet noch nichts davon?

Nutzt den Vorsprung, um so früh wie möglich euren Claim abzustecken, Anregungen und Feedback einzuholen, das Thema zu vereinnahmen, und in "Themenführerschaft" zu gehen. Im Zeitalter des Internets und im User Generated Universum ist das die einzige Möglichkeit. Es macht jeden Tag woanders was Neues auf, und wenn ihr nachhaltig dabei bleiben wollt, denkt nicht "stealth mode", denkt "beta" - und redet darüber. Wie man eine Idee dann umsetzt, ist dann sowieso wieder ein ganz anderes Thema. Nur - dabei können Blogs und auch Feedback zu jeder Phase helfen.

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Trackbacks zu diesem Beitrag

Corporate Blogs für Startups

Äh ja, hier und hier gibts ein... [weiter]
Veela (Gast) - 14. Apr, 22:30

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold..

Wenn man als Gründer erstmal eine "gute Idee" hat, aber weiter noch nichts, ist Reden bestimmt nicht die beste Wahl, zu schnell können sich Personen, die das nötige Know-How und das nötige Kleingeld besitzen, die Idee zu Eigen machen, und dann hat man, noch gar nicht richtig begonnen, schon verloren.
Nicht umsonst wird vom Coach angeraten, sich die Investoren bestenfalls ausserhalb der IT-Branche zu suchen, damit "meine Idee" auch "meine" bleibt...

ami - 15. Apr, 16:07

naja, genau das ist ja mein punkt. was "der coach" da rät, war im faxzeitalter sicher richtig - aber heutzutage verlierst du uU auch dann, wenn du im dunkeln vor dich hin werkelst. competition is everywhere.
und abgesehen davon, dass "leute mit knowhow" auch eine frisch gestartete idee in wenigen monaten nachbauen und platt machen, denke ich eben, es wird wichtiger dass man bereits vor dem start anfängt zu kommunizieren, um die idee zu vereinnahmen, feedback und erste fürsprecher zu finden.
ich sage nicht, dass man anfangen sollte bevor man irgendwas hat, aber definitiv bevor man zur ersten "(closed) beta" einlädt. von daher ist interessant, wann genau man "etwas" zu erzählen hat (hängt sicher vom produkt und von der branche ab).
Fußballer (Gast) - 31. Aug, 22:43

Danke :D

"Jedenfalls finde ich, dass wir eine recht paradoxe Einstellung zu "Ideen" haben. Wir hüten sie einerseits wie Schätze, dabei weiß jeder wie flüchtig eine Idee sein kann, wenn man sie nicht umsetzt und wenn man nicht an sie glaubt."

Ich danke dir vielmals, du hast mir gerade den Abschlusssatz für meinen Philosophievortrag z. T. die Idee geliefert :)

Liebe Grüße
Fußballer

Jörg (Gast) - 29. Dez, 12:17

...

Fußballer? Wie heißt du? In welcher Mannschaft spielst du?

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