Dienstag, 15. Februar 2005

What the heck is .. BULLSHIT MARKETING?

Der Begriff Bullshit Marketing taucht immer dann auf, wenn Unternehmen glauben, sich neuer Marketing-Methoden bedienen zu müssen, und dabei an ihrer eigenen Unkenntnis, Dreistigkeit oder an schlichtem Unvermögen scheitern, weil sie von einem veralteten Kundenbild ausgehen.
Bullshit Marketing ist wie ein Bumerang: Er kehrt zum betreffenden Unternehmen zurück und richtet dort selbst Schaden an. Meistens in Form von Spott, Hohn, Mitleid.

Manchmal wird Bullshit Marketing aber auch zum handfesten finanziellen Problem: Z.B. im Fall Kryptonite. Der Fahrradschloss-Hersteller ignorierte die Berichte und Videos, die letzten Herbst in zahlreichen Blogs kursierten: Scheinbar war es möglich, das sicherste und beste Schloss mit einem einfachen Filzstift zu knacken.

Kryptonite reagierte spät, aber richtig: man bot den Käufern an, ein fehlerhaftes Schloss kostenlos umzutauschen -- nach Aussagen eines Kryptonite-Sprechers entstand durch den Umtausch von 100.000 Fahrrad-Schlössern ein Schaden in Höhe von ~10 Mio. US-Dollar.
Vielleicht kein klassisches Beispiel für Bullshit Marketing, aber ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht mehr hilft, den Kopf in den Sand zu stecken und auf ein Fehlverhalten oder Produktmangel gar nicht zu reagieren.

Aber nicht nur Ignoranz und Unkenntnis führen zu einem Ergebnis, für das sich das Unternehmen hinterher schämen muss, weil es vorher nicht lange genug nachgedacht hat: Meist sind es sogar die hippen, positiv besetzten Unternehmen wie z.B. Atari, die ins Bullshit Marketing Fässlein tapsen. Mit der Atari Driv3r Kampagne im letzten Sommer brachte Atari ein halbfertiges Spielchen unter die Leute -- im Glauben, schlechte Kritiken einzelner Spieler und Magazine durch gezieltes "virales Marketing" in einem britischen Gamesforum wett machen zu müssen. Das Vorhaben scheiterte, die Mitarbeiter der beauftragten Agentur wurden enttarnt, die Sache wurde an die große Glocke gehängt.
Oder die Sache mit "Jamba", ein Fall, der große Aufmerksamkeit erregte, weil Mitarbeiter des Unternehmens kritisch auf die Satire in einem Berliner Blog reagierten und nicht damit rechneten, dass dies nur zu einer weiteren Eskalation führen wird.
Sei es aus Zeitdruck, aus Erwartungsdruck oder einfach nur weil man nicht gründlich nachgedacht hat, meist hilft es nicht, alle Faktoren einer geeigneten Marketing-Methode zu beachten: Bullshit Marketing lässt sich dann am besten vermeiden, wenn man gute Produkte ehrlich vermarktet und der Kritik direkt und ohne sich zu verstellen entgegen treten kann.

Das letzte Beispiel führt uns nach Hamburg bzw. Belgien, zum neuesten "Skandal", dem man erstaunlich oft begegnet, gibt man beispielsweise Bullshit Marketing bei Google ein: Ogilvy & Mather haben versucht, durch eine nette Mail an den Betreiber eines Blogs, Bjoern Ognibeni, auf eine neue Kampagne für die American Express Karte aufmerksam zu machen. Naja, sagen wir lieber durch eine doch recht schwierige Mail . Was in der Folge passiert, ist, dass sich viele über Ogilvy lustig machen, und Ogilvy nun versucht, durch dezente Zurückhaltung so zu tun, als hätte man das alles wohl geplant und mache sich seinerseits über die Blogger lustig .. (Jede PR ist gute PR!).
Auch dieser Schuss ging nach hinten los und zeigt, dass Bullshit Marketing sehr eng mit dem schnellen Kontaktaustausch, also dem Medium Internet zusammenhängt, mit populären Tools wie Foren oder Blogs, am meisten aber mit der Ehrlichkeit, dem Vertrauen eines Unternehmens in seine Marke und sein Stärken und dem Vertrauen in einen aufgeklärten Kunden.

Bullshit Marketing ist also der große Bruder des Prosumers (noch son Kunstbegriff), der ihm immer mal wieder aufn Kopp hauen will, weil er nicht einsieht, dass der andere mittlerweile auch schon erwachsen geworden ist und sich gerne mal mit anderen unterhält (oder SiMSt oder so). Wenn ihr Bullshit Marketing seht oder riecht, nicht vergessen: hier melden -- oder einfach selbst auf die Finger bzw. aufn Busch klopfen!

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Trackbacks zu diesem Beitrag

mggojhloqe - 19. Jul, 01:54

vcgcohkmsk

lpmeng oxkwqig wxiqxibipc [weiter]
tombo - 15. Feb, 03:27

Damn - gute Vorlage.

Da hat mein Kollege mal wieder gut recherchiert, der alte Blog-Stöberer. Nur eine kleine Ergänzung:

Das Stichwort heißt: Aufgeklärter Kunde. Nicht nur, dass heute mehr Kunden besser Bescheid zu wissen scheinen (oder das zumindest glauben), nein, Sie finden auch schneller mehr Gehör als in prä-interneten Zeiten.

Weiterhin zu beachten ist die Tatsache, dass man sich lieber davon erzählt, wie sich jemand selbst ins Knie geschossen hat als über jemanden, der etwas einfach nur gut gemacht hat: Schadenfreude und Beschwerden sind also wesentlich "viraler" als Lob.

Gerade deshalb wollen wir bei COMPANICE auch loben.
Sobald wir was finden.

Bondit (Gast) - 5. Mrz, 15:59

Bullshitmarketing

Schaut doch mal in die Telecom-Werbung. Mit mystischen Wortschöpfungen wird die Wertabschöpfung beim Kunden vernebelt.
z.B. Sie erhalten xx € für ihr altes Telefon, wenn Sie bei und ein schnurloses Telefon xyz kaufen im T-point(ganz, ganz,gaanz klein steht in einer ecke der Anzeige:) Und wenn Sie in den abx -Tarif wechseln.
So geht es lustig weiter.
Andere Firmen erklären offen und verständlich was sich hinter ihren Fachausdrücken versteckt. das finde ich wesentlich besser

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