nicozorn - 31. Mrz, 15:39

Verabschieden?

Grundsätzlich stimme ich Dir zu: Wer nach dem Prinzip vorgeht "Ich schalte einfach in den Blogs mit den höchsten PIs meinen Skyscraper und zähle dann die Klicks" nutzt nicht wirklich das Potential, das Weblog-Marketing bietet. Allerdings:

> Die Crux liegt also vielleicht auch darin, das seinen
> Kunden > beizubringen, sich von "traditionellem
> Online-Marketing" zu verabschieden

Hm. Wieso sollten sich die Kunden vom tradionellem Online-Marketing verabschieden? Und wieso sollte man Tools zur Reichweitenmessung nicht mehr empfehlen?

ami - 31. Mrz, 21:30

Verabschieden!

Vielleicht muss ich das doch etwas weiter ausführen: Selbst die genaueste Reichweiten-Messung kann nicht verhindern, dass man zunehmend mehr Geld für gleichbleibende Aufmerksamkeit ausgeben muss, wenn die Methoden, mit denen man wirbt, dieselben bleiben. Das gilt für traditionelle Werbung genauso wie für "traditionelle Online-Werbung" (der Begriff ist doof, aber ich hoffe man versteht was ich meine): Zuerst gingen die Banner-Klickraten in den Keller, zunehmend die der Newsletter. Das Spielchen zwischen Popup-Blockern und Layern betrachte ich nur aus der Ferne (durch mein Firefox-Adblock Plugin). Bei traditioneller Werbung gibt es eine (mediale) Grenze. Bei Online-Marketing nicht.

Natürlich setzen immer mehr Unternehmen auf mehr eWerbung, vor allem wenn sie sich eine aufwändige Kampagne nicht leisten können/wollen: Verglichen allein mit den Schaltkosten für Rundfunk- oder Printwerbung ist Online-Marketing attraktiv, weil es ungleich günstiger ist, flexibel skalierbar und detaillierter meßbar.
Genau deshalb setzen viele ja in Zukunft stärker auf Online Werbung. Und nimmt diese Werbung zu (die EIAA spricht von einer Verdreifachung des Umsatzes bis 2008), führt dies zum oben beschriebenen Abnutzungs-Effekt und dazu, dass die Aufmerksamkeitsrate der Maßnahmen im einzelnen weiter abnimmt. Daher meinte ich: Abkehr von der "traditionellen" Online Werbung.

Es hört sich an wie eine Floskel, aber es ist so: Blogs (inkl. RSS, podcasting, PSPcasting etc.) bieten diese neue Chance für mehr echte Aufmerksamkeit, ohne dass man faktisch mehr Geld ausgeben muss. Sie fördern den direkten, "horizontalen" Austausch, z.B. bei der viralen Verbreitung von Clips oder Produkten. Blogs eignen sich als "Pulsmesser", für "Micro Marketing" und neue Marketing-Modelle im Austausch mit authentischen Stilgruppen und Käufern. Aber: neue Marketing-Modelle setzen immer auch mehr Experimentierfreudigkeit und Kreativität voraus. Man muss wieder ausprobieren, um Erfahrungswerte zu sammeln. Den ausgetrampelten Pfad verlassen. Das gilt auch für die Messung der Reichweite und bei der Entwicklung entsprechender Tools oder Mindsets ;)

Und weil viele davor zurückschrecken, ihren eigenen Weg zu gehen, und lieber andere kopieren, setzen sie in Zukunft lieber weiter auf die genaue Messung der Klickraten im 0-Komma Bereich. Und warten auf die ersten Benchmarks oder hoffen darauf, dass es die Konkurrenz auch tut.

Ich wollte damit nur sagen, dass ich glaube, Blogs sind durchaus im Blickfeld vieler Unternehmen. Aber ihnen fehlt entweder ein wenig der Mut, etwas auszuprobieren -- oder ein gutes Konzept ..

btw. sorry dass ich den Artikel in Deinem Blog zum Thema nicht erwähnt habe -- besonders, was weblogs inc. mit den anzeigen testet, ist IMO sehr interessant und mehr als eine erwähnung wert ;)
nicozorn - 31. Mrz, 23:55

Verabschieden!?

Bzgl. des Marketing-Potentials von Weblogs und der "Abnutzungseffekte" des klassischen Marketing / Online-Marketing, stimme ich Dir (mal wieder ;-) absolut zu. Bleibt die Frage, in wie weit diese Abnutzungseffekte auch im Weblog-Marketing auftreten...

Wenn Siemens heute einen Blogger zur CeBIT fliegt oder ein Unternehmen ein Weblog sponsert, sind das Top-Themen in der Blogosphäre. Das wird sich ändern, wenn Siemens den 80ten Blogger zur CeBIT eingeladen hat. Heute ist es noch eine kleine Sensation, wenn ein Unternehmen anfängt zu bloggen - in ein oder zwei Jahren wohl nicht mehr.

Um das ganz deutlich zu sagen: Ich sage nicht, dass es dann keinen Sinn mehr macht - aber die Aufmerksamkeitsrate wird auch hier sinken. Wie viele RSS-Feeds kann "Ottonormal-Surfer" verfolgen? Wie viele virale Clips und "Fake-Weblogs" (brrr) wird sich Ottonormal-Surfer anschauen? Wie mache ich dann auf mein Weblog aufmerksam?

Eine "Abkehr von der traditionellen" (Online) Werbung"? Warum? Sponsored Listings in Suchmaschinen liefern hervorragende Werte. Newsletter eignen sich ideal als Kundenbindungsinstrument. Banner und Sponsorings auf Websites eignen sich als Brandinginstrument. Affiliate Marketing ist zu 100% erfolgsbasiert. TV, Kino, Plakate, Radio etc. brauche ich, wenn ich Emotionen vermitteln will oder zum Beispiel die Menschen erreichen möchte, die nicht oder selten ins Internet gehen. Und wenn ich mal richtig Eindruck schinden will, verschicke ich einen persönlichen Brief. Klar - alle Beispiele setzen voraus, dass sie gut umgesetzt sind. Nervige und blinkende Pop Ups oder Layer, öde TV-Spots und 5 Werbeunterbrechungen in einem Film sind nicht "gut". Allerdings befürchte ich, dass wir auch im Weblog-Marketing nicht von miserablen Kampagnen verschont werden. Nicht zuletzt, weil Weblogs - wie Du in Deinem Kommentar ja schreibst - ein Umdenken erfordern. Klar, mit TKP und CTR komme ich da nicht weit und mit der Schaltung von Layern und Pop Ups auf Weblogs ist es sicherlich auch nicht getan...

So, jetzt ist es doch etwas länger (und später) geworden. Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit ;-)
ami - 1. Apr, 10:00

100% agree

... mit der kleinen Ergänzung, dass ich nicht meinte: verabschieden von der Online Werbung im Sinne von "wertlos & für immer" (auch da hast Du mit Sicherheit recht -> bei RSS wird es nicht anders laufen), sondern die bislang eingesetzten Werbe-Methoden für den Einsatz bei Weblogs in Frage stellen.

Dass es darüber hinaus durchaus eine Berechtigung für Newsletter und TV-WErbung gibt, wollte ich nicht infrage stellen.

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