KW 36: Ich mag BMW.

Zugegeben, völlig eigennützig ist diese Überschrift -- und doch ehrlich ernst gemeint: anstatt sich ggf. aus bloßem Aktionismus ein Blog aufzuhalsen, einen solchen zu sponsorn oder eine tolle Marketingaktion damit zu verquicken, macht BMW -- nichts! Man hält sich lieber dezent zurück, lädt ein -- und lässt darüber bloggen: Wir sollen zur IAA kommen und fühlen uns geehrt.
Weil diesbezüglich Fragen aufgetaucht sind: Bloggen im Vorfeld, währenddessen und danach ist ausdrücklich erlaubt und sogar erwünscht. ;-) Michael Schuster von Knallgrau in seiner Einladungsmail.
Ich möchte mal wissen, wer von den Angeschriebenen, knapp 20 Blogger, eine solche Frage gestellt hat ... Aber hey, natürlich, zwinkerzwinker, wir haben das Spiel begriffen. Ein guter Zug von BMW, Blogger einfach so zu behandeln wie Journalisten. Die wissen eine Einladung zur Automesse wenigstens zu schätzen. Und im Gegenzug tun auch wir so wie echte Journalisten: wir geben uns erstmal kritisch, gelassen, und lassen uns verwöhnen. Wenns interessant war, gibts mehr davon -- aber wahrscheinlich kaum andere Überschriften wie die oben.
Ich möchte trotzdem hinzufügen, was Leute in meiner Umgebung ohnehin schon wissen: Nämlich dass der 7er von BMW vor dem Po-Lifting die geilste Karre überhaupt ist. Nur, falls man in München ggf. nachlegen und die Einladung zur IAA toppen möchte.

Vom Lecken und Kuschen zum Motzen und Treten.
Ich weiss nicht, was Hans Schmidt, den Autor des aktuellen Aufmachers in der w&v geritten hat, solch einen grottenschlechten Artikel wie "Angriff auf die Schatzinsel" zu schreiben. Aber ich schätze mal, es war Unwissenheit, gepaart mit lobbyistischem Gehorsam und einem Schuss verkackter Ironie. Ich erspare es uns, den nicht aufgelösten Anfangsteil mit der Beschreibung des gemeinen Filmpiraten abzutippen, der wohl irgendwie komisch gemeint war. Dann aber im stereotypen Holzhammer-O-Ton von Elke Esser von der Zukunft Kinofilm Marketing GmbH mündet -> Raubkopierer machen alles kaputt: die Zukunft des Spielfilms und Tausende Arbeitsplätze undsoweiter.
Und wer hätte gedacht, dass 42% der Befragten einer aktuellen Brennerstudie der Meinung sind, nur noch super Filme im Kino anschauen zu wollen -- und mit dem Rest den Player zu hause füttern? Ja aber hallo, wo kommen wir denn hin, wenn niemand mehr 10 Butzen für die schlechte Mainstream-Kacke ausgeben will? Krieg der Welten oder was?
Leider ist der Artikel online nicht verfügbar, aber so viel sei gesagt: Er ist es wert, sich 5 Minuten an den Bahnhofskiosk zu stellen (falls man die w&v nicht direkt ans Bett geliefert kriegt wie wir). Äh, in jedem Fall bitte hinterher die Zeitschrift auch kaufen, bevor man vom Kioskbesitzer wegen illegalem Lesen eingelocht wird und uns wegen Anstiftung zur Dummheit verklagt!

Jedenfalls sind wir eindeutig dafür, dass in Zukunft auch weiterhin mehr Geld für tolle und aktuelle (?) Kampagnen wie "Im Knast probesitzen" ausgegeben wird. Denn wer nicht gerafft hat, wie gut erhobene Zeigefinger bei der Jugend für "Stimmung sorgen" (auf der Games Convention), sollte unser Meinung nach lieber munter weiter Geld verbrennen und sich der naiven Vorstellung hingeben, ein paar DVD Brenner weniger und die dumme Privatkopie abgeschafft, und in Hollywood ist doch eigentlich allet töfte.

Niemand hat mit LEGOs gespielt!
Abgestraft werden an dieser Stelle auch LEGO, die zwar bei uns durchaus einen güldenen Stein im Brett haben, aber bei der Umgangssprache offensichtlich wenig Spass verstehen. Für PR und Getuschel im Bloggerwald sorgts trotzdem. Solange es Spass macht.

Jamba: Gibts auch hier am Automaten?
Spass macht auch, sich zu überlegen wofür Automaten noch alles gut sind. Coke (bzw. Inspired Broadcast Networks) hat da ne Idee: Wozu brauchen wir einen Coke Fridge? Wir verticken gleich am Automaten die Klingeltöne! Da dürfte es freuen, dass das Institut für Mobile Marketing jüngst herausfand, dass in Sachen mobiles Marketing noch einiges drin ist! Und da ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis man sich am Kippenautomat auch gleich noch den krächzenden Frosch dazu zieht, oder?

Die Google Gesellschaft ist kein Geheimbund von Eric Schmidt.
Während ich diese Buchstaben sorgsam in die Tastatur klappere, liegt übrigens mal wieder Naomi Klein neben mir. Also, ihr Buch "No Logo". Irgendwie passend zur Fuck Off! Attitüde zwischen Brandism und Gegenöffentlichkeit sind in dieser Woche diese acht Rules of Perception dazugestossen. "Man kann nicht nicht sichtbar sein." schreibt Kai Lehmann. Darüber haben wir hier ja auch schonmal diskutiert. Liest sich beim ersten Scannen ein wenig wie das Cluetrain Manifesto für die Zigarettenpause, aber man kanns offenbar nicht häufig genug sagen. Und die Idee mit dem Wiki für Teil zwei der Google Gesellschaft finde ich schonmal sehr gut.

Weil aber bitte verdammt noch mal endlich wieder eine Woche ohne rumgeGoogle rumgehen soll, wenden wir uns schnell und abschließend einer anderen guten Nachricht zu: Nicht nur die Internet-Nutzert, sondern auch die Online-Werbung ist auf dem Vormarsch. Gut, wenig überraschend. Toll finden wir aber die diversen, marginalen Zahlenspielchen: Sind es nun 10 Mrd., 12 oder 5,1?
Eigentlich egal, wichtig ist: die Zukunft gehört dem Netz der Netze. Und dann schnell noch im gleichen Bild das Mega-Zitat von "Frau 2 Mrd. Dollar" Julie Roehm von Chrysler zum Thema "Umschichtung des Marketing-Budgets" nachgeschoben:
"I hate to sound like such a marketing geek, but we like to fish where the fish are."
Guten Fang noch, ich geh jetzt an der frischen Luft weiterschwitzen.

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