Ho, Ho, Ho!

Von draus vom Freibad komm' ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich Schmetterlinge sitzen;

Ein sechsseitiges Special widmet die w&v in der Ausgabe vom 11. August dem Thema „Weihnachtspräsente“. (Übrigens: keine Absicht, dass die w&v wieder Thema ist. Reiner Zufall. Nix für Ungut.)

ipodmas

„Werbegeschenke Tipps&Trends“ auf Seite 64, das ist das Reich von Frau Annette Mattgey. Dort stellt Sie unter der Überschrift „Leise rieseln die Präsente“ unerschrocken die originellsten, heimeligsten und süßesten Weihnachtspromotionartikel vor, die der Markt dieses Jahr zu bieten hat.

teddyclaus

Wahnsinn, mir wird schon ganz warm ums Herz, wenn ich diese Crème de la Crème der Weihnachtsgeschenke sehe. Allerdings weiß ich nicht, ob ich eines dieser hochwertigen Geschenke einem meiner Kunden schenken könnte. Ich glaube, ich könnte mit der mir zurückgegebenen Dankbarkeit einfach nicht umgehen.

Ich hoffe inständig, dass Frau Mattgey das nicht ernst gemeint hat! Und ich nur wieder an Ironieblindheit leide.
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!"

Stefan Bottler schreibt ins einem Artikel „Nicht nur unterm Tannenbaum“: „Wer Weihnachten mit sehr aufwändigen Geschenken auffallen will, sollte sich über Konzepte bereits im März Gedanken machen.“

Damit kann er nicht die von Frau Mattgey vorgestellten „Tipps&Trends“ meinen und im August ist er mit diesem Tipp für 05 etwas spät dran. Ich fürchte, er weist uns auf eine der März-Ausgaben 2006 der w&v hin, in der dieses Thema dann erneut behandelt werden wird.

Vermisst in allen Artikeln zu diesem Thema habe ich allerdings die nötige Skepsis gegenüber dem Trend, Kunden zu Weihnachten mit Werbegeschenken zuzuballern. Da wird die Kultur des Schenkens gelobt und darauf hingewiesen, dass es ja noch andere tolle Gelegenheiten gibt. Hallowe’en. Ostern. Namenstag. Auch die Art und Weise des Schenkens wird nicht in Frage gestellt. Auf mögliche Abseitsfallen wird nicht hingewiesen.

Daher haben wir bei COMPANICE drei zusätzliche Tipps für Unternehmer, die Ihre Kunden/Auftraggeber gerne mit Weihnachtsgrüßen beglücken:

1. Denken Sie an Atheisten und Kontakte, die aus religiösen, kulturellen oder persönlichen Gründen nichts mit Weihnachten anfangen können, bevor Sie diesen ein hübsches Lebkuchenhaus schicken.

2. „Geschenke, die von Herzen kommen“ werden nur selten von Werbemittelfabrikanten hergestellt und mit Logos belasert. Wenn Ihnen der Kunde nicht etwas mehr Aufwand wert ist, lassen Sie es ihn nicht auch noch wissen, indem Sie ihm einen Massenartikel kredenzen.

3. Denken Sie an das Geld. Wenn Sie Ihrem Kunden am 15.12. einen Rabatt von 100 Euro verweigern und ihm am 20.12. ein hübsches Geschenk zukommen lassen, wird er sich bestimmt freuen!
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."

Ob die Rute in diesem Fall für die Autorinnen und Autoren der werten w&v bestimmt ist? Ich möchte einer solchen Publikation an dieser Stelle gerne ein gewisses Maß an Verantwortung ans Bein binden. Warum wird dem interessierten Leser kein Ausweg aus diesem weihnachtlichen Irrgarten aufgezeigt? Warum kein Plädoyer für die wahren Werte des Weihnachtsfestes? Warum keine kreativen Alternativen? Oder wenigstens ein paar richtig geile Vorschläge? Im Grunde hätte ich mir einen Verriss dieser ganzen Geschenkeheimerei gewünscht.
K: „Zwei Brötchen, bitte.“
V: „Wenn Sie zwei kaufen, bekommen Sie eines gratis.“
K: „Ich brauch’ aber nur zwei.“
V: „Aber das dritte ist doch gratis!“

20% mehr Inhalt, der dann im Kühlschrank Intelligenz entwickelt, eine DVD gratis zum Fernsehprogramm, obwohl man keinen DVD Player hat. 5 Euro bei Amazon gut haben für den Snickers-Bücherwurm und den Mars-Moppel. Gutscheine, Gewinnspiele, Mehrwert wo hin man blickt. Punkte sammeln, Stempelkarten, Tankrabattkreditkarte ... Wenn Sie zwei Kinder bekommen, ist die Geburt des dritten um 50% billiger.

Wo wird das hinführen? Klar, der Joghurthersteller bezahlt nichts für den Reisegutschein, den er auf die neue Fruchtmischung pappen darf. Aber der Gutschein wird von all denen bezahlt, die bei diesem Reiseanbieter buchen. Und Sie als BMW Fahrer bezahlen unseren Besuch auf der IAA. Dankeschön dafür, wenn Sie jetzt bitte noch aufhören zu drängeln ...

Zugegeben: Geschenke stören auch meist nicht übermäßig.
Uns aber werden die Marken immer sympathischer, die auf diesen Krimskrams verzichten. In der Milchtüte ist Milch, und drauf steht, was drin ist. Wir wünschen uns ein Vollwaschmittel, das auch so heißt. So wie bei „No Frills“, eine Marke des australischen Unternehmens „Franklins“.

nofrills_05

Mobilfunkanbieter machen es derzeit vor und werfen eine „No-Frills“-Marke nach der anderen auf den Markt. Kein Schnickschnack, unkompliziert, günstig. Geht doch!

Jetzt brauchen wir nur noch eine Marke, die sich diesen ganzen Geschenke-Feiertagen verweigert. Einfach mal den Reset-Knopf drücken, von vorne anfangen. Na, wer traut sich?

Ich bedanke und entschuldige mich an dieser Stelle bei: Theodor Storm.

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