Freitag, 9. September 2005

Ho, Ho, Ho!

Von draus vom Freibad komm' ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich Schmetterlinge sitzen;

Ein sechsseitiges Special widmet die w&v in der Ausgabe vom 11. August dem Thema „Weihnachtspräsente“. (Übrigens: keine Absicht, dass die w&v wieder Thema ist. Reiner Zufall. Nix für Ungut.)

ipodmas

„Werbegeschenke Tipps&Trends“ auf Seite 64, das ist das Reich von Frau Annette Mattgey. Dort stellt Sie unter der Überschrift „Leise rieseln die Präsente“ unerschrocken die originellsten, heimeligsten und süßesten Weihnachtspromotionartikel vor, die der Markt dieses Jahr zu bieten hat.

teddyclaus

Wahnsinn, mir wird schon ganz warm ums Herz, wenn ich diese Crème de la Crème der Weihnachtsgeschenke sehe. Allerdings weiß ich nicht, ob ich eines dieser hochwertigen Geschenke einem meiner Kunden schenken könnte. Ich glaube, ich könnte mit der mir zurückgegebenen Dankbarkeit einfach nicht umgehen.

Ich hoffe inständig, dass Frau Mattgey das nicht ernst gemeint hat! Und ich nur wieder an Ironieblindheit leide.
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!"

Stefan Bottler schreibt ins einem Artikel „Nicht nur unterm Tannenbaum“: „Wer Weihnachten mit sehr aufwändigen Geschenken auffallen will, sollte sich über Konzepte bereits im März Gedanken machen.“

Damit kann er nicht die von Frau Mattgey vorgestellten „Tipps&Trends“ meinen und im August ist er mit diesem Tipp für 05 etwas spät dran. Ich fürchte, er weist uns auf eine der März-Ausgaben 2006 der w&v hin, in der dieses Thema dann erneut behandelt werden wird.

Vermisst in allen Artikeln zu diesem Thema habe ich allerdings die nötige Skepsis gegenüber dem Trend, Kunden zu Weihnachten mit Werbegeschenken zuzuballern. Da wird die Kultur des Schenkens gelobt und darauf hingewiesen, dass es ja noch andere tolle Gelegenheiten gibt. Hallowe’en. Ostern. Namenstag. Auch die Art und Weise des Schenkens wird nicht in Frage gestellt. Auf mögliche Abseitsfallen wird nicht hingewiesen.

Daher haben wir bei COMPANICE drei zusätzliche Tipps für Unternehmer, die Ihre Kunden/Auftraggeber gerne mit Weihnachtsgrüßen beglücken:

1. Denken Sie an Atheisten und Kontakte, die aus religiösen, kulturellen oder persönlichen Gründen nichts mit Weihnachten anfangen können, bevor Sie diesen ein hübsches Lebkuchenhaus schicken.

2. „Geschenke, die von Herzen kommen“ werden nur selten von Werbemittelfabrikanten hergestellt und mit Logos belasert. Wenn Ihnen der Kunde nicht etwas mehr Aufwand wert ist, lassen Sie es ihn nicht auch noch wissen, indem Sie ihm einen Massenartikel kredenzen.

3. Denken Sie an das Geld. Wenn Sie Ihrem Kunden am 15.12. einen Rabatt von 100 Euro verweigern und ihm am 20.12. ein hübsches Geschenk zukommen lassen, wird er sich bestimmt freuen!
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."

Ob die Rute in diesem Fall für die Autorinnen und Autoren der werten w&v bestimmt ist? Ich möchte einer solchen Publikation an dieser Stelle gerne ein gewisses Maß an Verantwortung ans Bein binden. Warum wird dem interessierten Leser kein Ausweg aus diesem weihnachtlichen Irrgarten aufgezeigt? Warum kein Plädoyer für die wahren Werte des Weihnachtsfestes? Warum keine kreativen Alternativen? Oder wenigstens ein paar richtig geile Vorschläge? Im Grunde hätte ich mir einen Verriss dieser ganzen Geschenkeheimerei gewünscht.
K: „Zwei Brötchen, bitte.“
V: „Wenn Sie zwei kaufen, bekommen Sie eines gratis.“
K: „Ich brauch’ aber nur zwei.“
V: „Aber das dritte ist doch gratis!“

20% mehr Inhalt, der dann im Kühlschrank Intelligenz entwickelt, eine DVD gratis zum Fernsehprogramm, obwohl man keinen DVD Player hat. 5 Euro bei Amazon gut haben für den Snickers-Bücherwurm und den Mars-Moppel. Gutscheine, Gewinnspiele, Mehrwert wo hin man blickt. Punkte sammeln, Stempelkarten, Tankrabattkreditkarte ... Wenn Sie zwei Kinder bekommen, ist die Geburt des dritten um 50% billiger.

Wo wird das hinführen? Klar, der Joghurthersteller bezahlt nichts für den Reisegutschein, den er auf die neue Fruchtmischung pappen darf. Aber der Gutschein wird von all denen bezahlt, die bei diesem Reiseanbieter buchen. Und Sie als BMW Fahrer bezahlen unseren Besuch auf der IAA. Dankeschön dafür, wenn Sie jetzt bitte noch aufhören zu drängeln ...

Zugegeben: Geschenke stören auch meist nicht übermäßig.
Uns aber werden die Marken immer sympathischer, die auf diesen Krimskrams verzichten. In der Milchtüte ist Milch, und drauf steht, was drin ist. Wir wünschen uns ein Vollwaschmittel, das auch so heißt. So wie bei „No Frills“, eine Marke des australischen Unternehmens „Franklins“.

nofrills_05

Mobilfunkanbieter machen es derzeit vor und werfen eine „No-Frills“-Marke nach der anderen auf den Markt. Kein Schnickschnack, unkompliziert, günstig. Geht doch!

Jetzt brauchen wir nur noch eine Marke, die sich diesen ganzen Geschenke-Feiertagen verweigert. Einfach mal den Reset-Knopf drücken, von vorne anfangen. Na, wer traut sich?

Ich bedanke und entschuldige mich an dieser Stelle bei: Theodor Storm.

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deniz - 9. Sep, 17:05

Merry Christmas and HOHOHO...

...erinnert mich immer an Beatstreet...das wär mal n Geschenk, bei dem audiovisuelle Freude aufkommt.

…einst bekam ich zu Weihnachten als Geschäftskunde eine mit Logo-Gravur verzierte BBQ-Salatschüssel (große Schüssel-großer Kunde??). Und das wo Grünzeugs im Winter so teuer ist and them Grills im Zimmer dem Rauchmelder so unangenehme Laute entlocken.
Wahrscheinlich war es ein ernst gemeinter Gedankenanstoß contra Tinitus, fernab praktischer Anwendungslogik und groß in seiner Analogie wenn meine Vermutung stimmte.
„Ich soll mich als Exot in Andacht einer stillen Nacht (egal ob religiös oder nicht, nur still muß sie sein) als Ingredienz eines großen Salates fühlen.“
Die „Saladbowl“ in sozio-, politikwissenschaftlichem Kontext, beschreibt die Integration von Einwanderern in die Kultur eines Landes. Die verschiedenen Kulturen und Werte sollen sich zu einer gemeinsamen integrierten Kultur mischen. Was früher „melting pot“ und Kulturverschmelzung, ist heute die „Salatschüssel“, die inhaltlich ihre Zutaten im „Unverschmelznis“ zu einer Einheit macht, da die Einwanderer trotzdem noch Wert auf ihre Herkunft und Kultur legen und nicht ganz mit der neuen Kultur verschmelzen …
*scrab scrab*
Jedenfalls disst man mich im Dialekt, wenn ich den Biomüll nicht trenne. Wenn man jedoch einen simplen Vorgang in seiner Analytik verkompliziert, kann man bereits im Juli seinen Winterurlaub beantragen, um sich ausführlich auf Geschenk-Sinnsuche zu begeben.
Am allerliebsten sind einem doch dann die No-Frills-People, die sich während des ganzen Jahres die Mühe machen einen zu beschenken..merci blog-amis

//Der Schmelztiegel des geistigen Kessel-Hotspots muß irgendwo ganz in Nähe von Companice am höchsten sein.;)//

tombo - 9. Sep, 17:17

Winter-Grilling?

... ich glaube, das muss ich leider ausprobieren. Ich lade bereits jetzt dazu ein, mit der COMPANICE Redaktion im kommenden Winter die erste Ausgabe des "Extreme-Winter-Barby-Cue" zu begehen.

Zeitpunkt: Wenn Schnee liegt.
Ort: Da, wo am meisten Schnee liegt.

Special feature: Verbrennen von grausligen Weihnachtsgeschenken auf dem großen Scheiterhaufen der verletzten Eitelkeiten.

Auch Du, deniz, bist samt der gravierten Saladbowl herzlichst eingeladen. Ich glaube, es wird ein riesen Spaß. Wenn die Klimaerwärmung uns nicht einen Strick durch die Rechnung macht...
deniz - 9. Sep, 20:34

welch heilige idee!

herzlichen dank, ich werde da sein...

aber grünzeugs is teuer im winter und der euro...ihr wisst schon..

alternativ schlage ich vor: saladbowl-racing den bopser runter.
wär doch gelacht, wenn weihnachtsgeschenke nicht individuell in Sinn und Anwendung interpretiert werden könnten.think global, act local!

also, ich zieh schomma die Lammfellfäustlinge klamm;o)

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