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Internet-Kultur

Montag, 31. März 2008

Keine Markenartikel mehr auf ebay

Kurios! Laut Netzeitung bzw. Focus darf ebay keine Schulränzen von Scout mehr verkaufen - und ggf. kann das Urteil dann ebenfalls von anderen Marken herangezogen werden. Auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, ich finde das wieder mal eine interessante Auseinandersetzung, weil es zeigt, dass die Gerichte und viele Unternehmen das Internet immer noch nicht verstanden haben.

Man will tatsächlich einen Anbieter wie ebay, sprich die paar Milliönchen Anbieter, davon abhalten dass Scout Rucksäcke verkauft werden, weil es kein "Ambiente wie im Fachhandel bietet". Auf deutsch: um nicht irgendwo verramscht zu werden. Unter Umständen vielleicht sogar als Scouts, die garnicht Scouts sind. Oh Gott!

Auf der anderen Seite ist das ein deutliches Zeichen: Der Markt (gerade für "Powerseller") fragmentiert zusehends -- ebay segelt mit seinem Spagat zwischen Auktionsplattform für Privatanwender und Marktplatz für Powerseller ziemlich hart am Wind und ist längst nicht mehr die shiny happy Wunderwelt, auf der jeder Honk seine alten Käsestinker los wird (hey, so alt waren die noch garnicht!). Vor ein paar Jahren hätte sich kein Hersteller getraut, so einen Affentanz aufzuführen.

Fraglich ist für mich jedenfalls:
Ist es wirklich schädlich für eine Marke, wenn auf ebay ihre Sachen verkauft werden?
Bislang habe ich beispielsweise bewusst zum Kauf von Markenware tendiert, um nach Benutzung bei ebay durch eine höhere Bekanntheit und Qualität wieder was reinzukriegen (also, mal ausgenommen Käsestinker, die werf ich dann normalerweise schon weg).
Gerade Marken können von ebay profitieren, über das Thema haben wir hier schonmal geschrieben.
Dazu kommt: die Ursache im Verramschen liegt doch eigentlich wohl eher darin, dass man die anderen (Vertriebs-)Kanäle effizienter nutzen sollte und ggf. am Forecast arbeiten, oder nicht?

Mal ehrlich: Wo wird das weitergehen, wenn das Urteil durchgeht? Wird Scout auch Preisvergleichsplattformen unterbinden, dass ihre Ranzen gelistet werden, weil das Suchen nach dem günstigsten Preis das Ambiente eines stilvollen Einkaufs zerstört? Wird Scout danach Google verbieten, dass ihre Ränzen überhaupt im Internet gefunden werden können? Kann ich mir gut vorstellen.
Alternativ könnte man auch ein Regierungsprogramm auf die Beine stellen, das gemeinsam mit dem BVDW nach Möglichkeiten sucht, wie man als eCommerce Plattform überhaupt ein "Ambiente" herstellen kann, das an den Fachhandel heranreicht? Was ist mit den ganzen Flohmärkten, wo die abgescheuerten Dinger zu einem Bruchteil an ebay Kosten zu haben sind? Wird das als nächstes unterbunden, wie kann man die auf Fachhandels-Niveau heben?

Wahrscheinlich gibt es in absehbarer Zeit ein Scout Premium Premium Partnerprogramm: Scout Kunden und Handels-Aspiranten können sich durch einen Außendienstmitarbeiter qualifizieren lassen, der das Ambiente des Anbieters inspiziert (Privatwohnungen, Garagen), ein paar knallharte Prüfungen durchzieht (wie viele Riemen hat ein Ranzen?) und dann ggf. für ebay, Preisvergleichsplattformen, und Flohmärkte lizenziert. Aber jeder nur 1 Ranzen!
Viel besser aber ist wahrscheinlich: wir kaufen in Zukunft einfach keine Scout Ränzen mehr, dann muss ebay die auch nicht anbieten.

Donnerstag, 14. Februar 2008

Sixt & the Return of ASCII Art

Schöne Idee, scheinbar schon etwas älter (äh, also von letztem Jahr):
Sixt macht ASCII Adwords
sixt ascii art adwords
Cool wäre jetzt noch eine animierte Variante.

(via)

Dienstag, 29. Januar 2008

Die Entdeckung des Online-Journalismus

Über Medienrauschen bin ich auf die 10 Thesen von Christiane Schulzki Haddouti gekommen. Interessanter Punkt ist v.a. die "Erosion der Gatekeeper" -- ein Phänomen, das sich bereits vor einigen Jahren an Portalen wie T-Online oder web.de gezeigt hat, und von dem mittlerweile immer mehr Experten ausgehen, dass Google früher oder später auch davon betroffen ist. Ob das jetzt mit einer Atomisierung der Zielgruppen einhergeht, die sich in Nano-Networks und der zunehmenden Popularität von "Social Media" ausdrückt, oder vielmehr der überwiegend starren Zielgruppen-Definitionen an sich, lasse ich mal dahingestellt.
Dass sich die Nutzer selbst immer mehr zu Ziel/Interessensgruppen clustern, hat für mich vor allem mit einem anderen Punkt auf der Liste von Schulzki Haddouti zu tun: mit der wachsenden Medienkompetenz.
Ich erlebe immer noch in Gesprächen, dass mir jemand erzählt, ich solle nicht alles glauben, was in wikipedia steht. In solchen Momenten erschließt sich mir, wo ich, wo wir stehen, und mit welcher Verzögerung sich "Neuigkeiten" und auch Nutzungsgewohnheiten durchsetzen.

Was mir dabei auch noch auffällt: es gibt kaum einen Medienbruch mehr. Die Mär vom (merk)faulen Nutzer, der nicht in der Lage ist, sich in einer Zeitschrift eine URL aufzuschnappen und sich xyz.de zu merken bis er an den Rechner geschlurft ist, wird zum einen durch die zunehmende Internet-Nutzung, durch mobile Computer, aber auch durch die (Print)Medien kompensiert. Zumindest geht es mir so: Dadurch, dass ich seltener und selektiver Offline Medien konsumiere, kann ich mich zumindest dran erinnern, wo ich etwas gelesen/gesehen/gehört habe.
Ich denke daher, dass traditionelle Medien nach wie vor eine sehr gute Chance haben, ihre Marke und ihre Kompetenz im Internet zu erweitern. Sie müssen es schlichtweg nur wollen, sich öffnen, ihre Inhalte on- und offline konsequenter vernetzen - und auch das ist "Medienkompetenz", vielleicht sogar "2.0".

Montag, 21. Januar 2008

Nach längerer Zeit mal wieder ...

... ein richtig gutes und interessantes "Dossier" bei Trendwatching: Der Umgang mit Erwartungen. Besonders gut gefällt mir die Zeile "Your Competition could be anyone" und diese "Gleichung":
equalizar.jpg
Natürlich ist das Thema an sich ein alter Hut, aber die Vernetzung und "always on" Mentalität ist wie Kundenbindung auf Speed. Durch die Anonymität und die "digitale Kluft" wird es darüber hinaus immer schwieriger abzuschätzen, was mein Gegenüber wann&wie erwartet.

Apropos: Falls sich jemand fragt, wann hier mal wieder mehr für die werte Kundschaft getan wird: Ich würde erst mal nicht zu viel erwarten & bin dann mal weiter offline (auf Alice warten).

Donnerstag, 15. November 2007

Nicht nett

Robert macht ein neues Projekt zum Thema "Beschwerdemanagement". Denke mal, das wird besser gehen als die Blogperlen, die vor sich hin, äh, perlen? Schließlich ist das Thema Kundenservice und Umgang mit Problemen immer sehr sensibel, sehr schnell wird es emotional, und dann natürlich auch spannend sowas zu lesen und mit zu verfolgen.

Das Ding wird auf Wordpress laufen und den Namen das war nicht.net hören. Wir haben da ja auch ein paar Beispiele (1, 2) vorzuweisen, von daher bin ich jetzt schon einigermaßen angespitzt. Und in den letzten Wochen immer mehr begeistert von einem ähnlichen Service aus den USA, satisfaction.

Montag, 12. Februar 2007

Das beste Vista Zitat ...

... kommt (natürlich!) von Steve Jobs (1995):
"The only problem with Microsoft is they just have no taste, they have absolutely no taste."
gerade wieder entdeckt bei Andreas Göldi.

Dienstag, 17. Oktober 2006

Hut ab, Linden Labs

Knapp ein Jahr ist es her, dass Wells Fargo eine Insel gekauft hat, um Banking und den Umgang mit Geld jugendgerecht aufzubereiten: Bei Second Life. In der Zwischenzeit feiert Second Life eine PR-Welle nach der nächsten: Mittlerweile gibt es fast eine Million Mitglieder und unzählige Möglichkeiten, sich digital auszuleben. Es gibt nicht nur einen American Apparel Store, man kann bald auch seine Adidas anziehen, Wired Chefredakteur Chris Anderson über den Long Tail plaudern hören, oder Suzanne Vegas exklusiven Live-Auftritt mitverfolgen (mehr Beispiele in der Wikipedia).
Wie unlängst bekannt wurde, hat nun auch Reuters ein virtuelles Büro geöffnet, wo "Adam Reuters" eine "echte Schnittstelle" zwischen beiden Welten bildet.
Second Life ist es also gelungen, nach drei Jahren darben und belächelt werden plötzlich in einem Atemzug mit "web2.0" und der "digitalen Boheme" als Synonym für digitale Selbstverwirklichung genannt zu werden.
Mehr noch: es ist unter den "ernstzunehmenden" Spielen wie World Of Warcraft oder anderen MMORPGs die einzige "gedultete Bühne" für Brands und Unternehmen, die derzeit geradezu unfreiwillig in das "Metaverse" hineingezogen werden. Hut ab, Linden Labs - für den langen Atem und diese Entwicklung.

Was ich aber viel erstaunlicher finde ist: bei all diesen glitzernden Neuigkeiten und Möglichkeiten habe ich auch nochmal einen Versuch gewagt. Und muss sagen, das Spiel an sich ist noch immer genauso langweilig wie das letzte Mal, als ich es ausprobiert habe.

Update: Wie ich grade sehe, gibt es eine Reihe von lesenswerten Artikeln zum Thema "Second Life" bei Notizen aus der Provinz (davon einer mit ähnlichem Tenor) und Robert Basic.

Freitag, 18. August 2006

Exit Strategien 2.0 ...

... an auf ebay verkaufen. Ok, sie hätten es wenigstens mal bei etsy versuchen können, oder?

(via Business Opportunities Blog)

Samstag, 5. August 2006

Squeeze-me-2.0

Martin Röll bringt es auf den Punkt.
1. Es braucht kein "Web 2.0-Geschäftsmodell", damit das, was man "Web 2.0" nennt, entsteht (es ist schon da), wächst und bleibt.(...) Blogs, Wikis, Bookmarking, MySpace und ihre Konsequenzen (die hier zum Beispiel) gehen nicht mehr weg.

2. Für Unternehmen steckt im Web2.0 viel mehr, als "neue Geschäftsmodelle". (...) "Was bedeutet Web2.0 für unser Unternehmen?" ist oft die wichtigere und weiterführendere Frage als "Wie können wir mit dem Web2.0 Geld verdienen?".

Falls trotzdem nochmal jemand fragt: Die Geschäftsmodelle sehen nicht viel anders aus als bisher.
Es ist natürlich ernüchternd: Man muss immer noch für sein Geld arbeiten, und neben den Glücksfällen "Vom Tellerwäscher zum Millionär" -- und für deutsche Verhältnisse einer etwas "gelockerten" Einstellung zum Thema "Paid Content" -- gibts vielleicht nicht viel neues, aber trotzdem ausreichend Möglichkeiten (Preisfrage: Wie finanziert sich eigentlich z.B. der Spiegel und SPIEGEL ONLINE?):

Monetizing-Web2-0

Und der Artikel Post von Mario Sixtus im Technology Review Blog ist ebenfalls Weltklasse, daher nochmal zum "Instant-draufklicken" (Free Service!)

*Update*: Der passende Artikel zum Thema Business Model 2.0 und dem 900 Mio. Deal von Google kommt von Holger Schmidt (FAZ): Werbung im Netz.

Freitag, 21. Juli 2006

Die 1% Regel: User Generated Dingsbums

Das Pareto Prinzip dürfte den meisten bekannt sein, etwas ähnliches kann man scheinbar für das "Age of Participation" und User Generated Content anwenden: Die 1% Regel.
Zum ersten Mal fiel mir das beim Beitrag von Jimbo Wales auf dem 21C3 Kongreß auf, als er davon berichtete dass etwa die Hälfte aller Beiträge in der Wikipedia von knapp 1% der aktiven Nutzer verfasst werden (hier gibts irgendwo den Mitschnitt).
Etwas ähnliches haben wir beim Open Logo Project beobachtet (wenn auch kleiner natürlich), wo von 600 aktiven Teilnehmern 60 mehr als 10 Entwürfe und 6 mehr als 30 Logos einreichten. Nun könnte man natürlich sagen, es ist immer eine Frage dessen, wo man die Grenze zu "aktiven Anwendern" zieht. Aber das Phänomen ziegt sich noch bei anderen "UCG-Anwendungen" und Communities: Charles Arthur vom Guardian zählt in seinem Artikel noch mehr Beispiele auf, u.a. von Youtube und Yahoo (Groups). Falls jemand noch weitere Beispiele kennt, würden wir uns über einen Hinweis freuen.

(via Particletree und Thilo Thamm)

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