Was wurde aus ...

Dienstag, 27. November 2007

"Buchtipp" Authenticity

Ich sehe grad, dass es nicht nur eine fancy Website, sondern auch ein paar mehr Rezensionen zu Authenticity gibt, zum Beispiel bei a clear eye oder Experience Manifesto. Und ich hatte ja angekündigt, dass ich "bald" auch mal mehr darüber schreibe. Lange hab ich mich damit gequält - mit dem Buch an sich, und was ich davon halten soll. Um es kurz zu machen: Es ist mir einfach zu amerikanisch. Daher habe ich den Text nie veröffentlicht.
Stattdessen möchte ich jedem raten, den das Thema "Experience Economy" interessiert, nach wie vor eher zu Access von Jeremy Rifkin zu greifen. Es ist zwar schon ein paar Jährchen alt, das macht die Beobachtungen von Rifkin aber nur noch interessanter und inspirierender (außerdem kostet es gebraucht nur eine handvoll Euro).

Mittwoch, 15. Juni 2005

80 (+/-3) Jahre BBDO

Manchmal passieren Dinge, die man sich so nicht wünscht. Vor allem nicht in genau dem Moment, in dem sie passieren.

Was sich hier so anhört wie etwas ganz schreckliches, entpuppt sich als relativ harmlos:

Ich las gestern kurz vor Mitternacht die Science-Fiction Kurzgeschichte "The Sellers of the Dream" von John Jakes aus dem Jahre 1963. Darin geht es um zwei Firmen, die menschliche Persönlichkeiten verkaufen. Und sich gegenseitig ausspionieren. Die Persönlichkeit kann man sich also kaufen, die eigene wird dann dementsprechend umgemodelt, inkl. äussere Erscheinung. Interessantes Produkt. Einer der Spione findet allerdings heraus, dass es nur eine Firma gibt (Verschwörungstheorien dieser Art lieben wir ja.) und er beendet dieses Geschäft. Soweit müsst Ihr dann schon selber lesen.

Auf einmal stolpere ich also über den Satz:I guess I just wasn't meant to be a twenty-first century man. I never had the proper education, like those reading primers written by the market boys from - where was it? - BBDO?
Ich wollte in diesem Moment wirklich nicht an die Arbeit erinnert werden. Aber ich musste heute morgen mal nachsehen und siehe da: BBDO wird dieses Jahr 80 (+/- 3).
1925: Die Batten Company und BDO fusionieren zu Batten, Barton, Durstine & Osborn Company. Der Zungenbrecher zieht den Spott der Öffentlichkeit auf sich, mit der Abkürzung BBDO wurde eine Marke geboren, die seit über 75 Jahren für Qualität steht.
So steht es auf der BBDO Germany Website geschrieben. John Jakes scheint die Jungs gemeint zu haben. Aus gegebenem Anlass:

Herzlichen Glückwunsch, BBDO. Luftballons, Torte und Kerzen müsst Ihr Euch an dieser Stelle halt denken.

bbdo

Mittwoch, 8. Juni 2005

Q oder "The Power of Mundpropaganda"

Dass wir auf vertrackte Formeln stehen, wurde anhand unserer eBay-Theorie hoffentlich ausreichend verdeutlicht. Daher ein dreifaches "Gouranga!" bzw. Chapeau an Mario Sixtus: Er erklärt sehr anschaulich den "Q-Faktor" und erläutert, dass nicht nur die Credits und das Aufgebot an Stars kriegsentscheidend für den Kampf an der ersten Kinowochenendkasse sind, sondern immer häufiger auch die Qualität des (ganzen!) Films.

Was lernen wir also aus unserer kleinen Formel? Wer sein Publikum fürchtet, hat höchstwahrscheinlich nur Scheiße zu verkaufen. Ergo kann man an Maßnahmen, die Kommunikation verhindern wollen, Scheiße erkennen.

Abgeleitet hat Mario diese weit reichende Konsequenz übrigens an der Verschiebung des japanischen Filmstarts für "Krieg der Welten". Ob der Film wirklich scheisse ist, weiß ich aber nun leider trotzdem nicht. Weil: Es gibt ja immer noch den Chaos-Faktor -- eine unbekannte Streuung.
Die Verschiebung des Filmstarts, die Furcht vor einem schlechten Ergebnis und all das könnten zum Beispiel auch daran liegen, dass "The Hitchhikers Guide to the Galaxy" und Star Wars III zum Beispiel richtig gut sind -- und man die direkte Konkurrenz, inkl. mundpropagandatechnische Überschneidungen, fürchtet? Oder: "Krieg der Welten" könnte gar so gut sein, dass die Mainstream-Menschen ihn nicht verstehen würden (erst recht nicht, wenn sie ihn heruntergeladen und alleine vorm PC konsumieren) -- und so verstört reagieren wie bei der Radio-Premiere des Stoffes vor knapp 50 Jahren?

Donnerstag, 17. März 2005

Was wurde eigentlich aus ...

Diese Frage stellt man sich ja oft. Z.B. wenn man längst totgeglaubte Promis auf einmal im Dschungel-Camp oder in einer Burg wieder entdeckt, oder mit alten Schulfreunden beim jährlichen Klassentreffen die ehemaligen Mitschüler diskutiert.

Manchmal denkt man sich das auch in Bezug auf Werbung und Kampagnen bestimmter Marken. Was macht wohl das HB-Männchen heute? Was ist aus dem Persil-Mann geworden? Und was wurde aus dem Versuch von Lipton, folgende Geste als „Na, Lust auf ne Tasse Tee“ zu etablieren?
lipton

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Was wurde eigentlich aus ...?

Diese Frage stellt man sich ja oft. Z.B. wenn man längst totgeglaubte Promis auf einmal im Dschungel-Camp oder in einer Burg wieder entdeckt, oder mit alten Schulfreunden beim jährlichen Klassentreffen die ehemaligen Mitschüler diskutiert.

Manchmal denkt man sich das auch in Bezug auf Werbung und Kampagnen bestimmter Marken. Was macht wohl das HB-Männchen heute? Was ist aus dem Persil-Mann geworden? Und was wurde aus dem Versuch von Lipton, folgende Geste als „Na, Lust auf ne Tasse Tee“ zu etablieren?
lipton
Ich glaube ja nicht, dass Frau Setlur auf diesem Bild für Lipton Schau laufen war, aber die Geste stimmt: das „L“ war Teil der Kampagne für Lipton Schwarztee. Wir erinnern uns: die Werbespots mit den Menschen, die sich gegenseitig per Geste über große Entfernungen zu einem schönen heißen Tee einladen … Das „L“ stand also nicht für die vielen Eistee-Sorten, sondern für das klassische Aufgussgetränk. Nachdem es diesen speziellen Tee in Deutschland (laut Unilever) nicht mehr gibt, gibt es auch die Kampagne und damit die Geste nicht mehr.

Das ist schade, denn das „L“ steht ja eigentlich für "Lipton" und so könnte man doch theoretisch jedes Lipton-Produkt damit bewerben und verkaufen. Man kann sich jetzt darüber streiten, ob hier eine Handvoll Experiential Marketing Potential verschenkt wurde oder ob die Geste im Grunde einfach nur bescheuert war, die den Teetrinker nicht ansprach (so wie der peinliche Versuch des ADAC einer "Fair geht vor" Geste für Autofahrer in den 70ern).

Mittlerweile ist das wohl bekannteste Lipton Produkt in Deutschland der Ice Tea, der, wie oben bereits erwähnt, zu Unilever Bestfoods gehört. Lipton Ice Tea wurde 1973 als erster deutscher Eistee eingeführt. Das Getränk geht auf den Schotten Sir Thomas Lipton (1850-1931) zurück, der bereits im Jahr 1898 die Lipton GmbH gründete, um „den damaligen Luxusartikel Tee zum ersten Mal jedem zu akzeptablen Preisen und mit Qualitätsgarantie zugänglich zu machen“. Er kaufte Plantagen und schuf die bis heute existierende gleichnamige Tee-Marke.

Über Thomas Lipton wird auch gesagt, er sei nicht nur großzügig, sondern auch einer der ersten Geschäftsmänner gewesen, der den Wert der Marke erkannt habe: Die Verbraucher seien eher bereit, Geld auszugeben, wenn Sie bei guter Laune wären. Deshalb bestand Lipton auf Humor in seinen Werbungen.

Und auf Geschichten: Wenn man sich auch nur oberflächlich eine Weile mit Lipton und seiner Einstellung zu Marketing befasst, stößt man auf die kuriosesten Geschichten, die heute unter „Guerilla Marketing“ laufen würden und bei Awardshows wahrscheinlich reihenweise Preise abräumten.

Eine Anekdote beispielsweise ist diese hier:
“Lipton told me the story of Lipton's Bulk Notes - almost the best piece of publicity that can have been invented. One of his chief slogans was 'Lipton gives £1 value for 15 pence.' In order to spread this slogan all over England he had £1 notes printed with a note at the bottom saying goods to the value of £1 could be bought for 15 pence at any Lipton's store. So beautifully were these notes engraved that occasionally they would be used by canny and dishonest persons in place of the real article. The authorities learned this and Lipton had to stop his noter.”
Ein Beweis dafür, dass in der Werbung neue Begriffe schneller gefunden sind, als neue Methoden? Thomas Lipton wurde jedenfalls später (nicht nur wegen seines feinen Gespürs für die Tee-Marke) von der Queen zum Ritter geschlagen.

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