crowdsourcing

Montag, 5. Mai 2008

8 Punkte zum Thema Crowdsourcing

Am Wochenende war Barcamp in Leipzig. Schönes Wetter, schönes Event. Beides direkt vor der Haustür.
Hier sind die Folien aus meiner Session über Crowdsourcing und Lektionen aus dem OLP (Open Logo Project für Spreadshirt).
Die wichtigsten Punkte möchte ich in aller Kürze zusammenfassen und hier auflisten. Ich glaube, ich hab zwar schon mehrfach ähnliches oder genau das unten stehende gebloggt, falls ja verzeiht mir (ich hoffe, ich widerspreche mich nicht;)).

Vorab zumindest noch eine Bemerkung, weil immer mal wieder in Blogs oder in Gesprächen die "Sinnfrage" vorgebracht wird:

"Funktioniert" Crowdsourcing?

Leute, ehrlich gesagt wundert mich das. Die meisten von euch sind nicht erst seit gestern im Netz unterwegs, nutzen Blogs, Social Networks, laden ihr Zeug bei 2.0 Plattformen von del.icio.us bis Youtube ab, sind in Foren und Communities unterwegs und twittern was das Zeug hält. Und dann ziehen manche aus einzelnen Projekten ihre Schlüsse daraus, ob Crowdsourcing "funktioniert". Das ist einerseits okay, und liegt im Auge des Betrachters. Aber ich denke, der Denkansatz ist falsch: Crowdsourcing ist nichts weiter als eine Methodik, es ist wenn man so will eine "Spielart" von UGC. Manchen Unternehmen gelingt es besser, in diese "Gespräche" (cluetrain) einzusteigen, als anderen. Und natürlich gibt es eine Reihe von Projekten oder Crowdsourcing Plattformen, die nicht funktionieren - aber dafür genügend andere, die sehr funktionieren. Ich behaupte auch: in allen Branchen.
Schaut ggf. mal in das Verzeichnis bei openinnovation oder in das Crowdsourcing Directory.

Daraus ergibt sich für mich einfach keine Sinnfrage mehr, kein "ob". Man kann es besser oder schlechter machen, und sollte aus den Beispielen lernen.
Daher jetzt unsere Learnings aus 2 Open Logo Projekten, das meiste aus dem letzten, aktuellen Fall.

1. Briefing is key
Wie jedes andere Projekt braucht auch ein Crowdsourcing Projekt klare Regeln und einen Rahmen. In diesem bewegen sich sowohl Veranstalter als auch Teilnehmer. Das Briefing war im OLP die am häufigsten vorgebrachte Referenz bei Diskussionen.

2. Vermeide "Friendly Fire"
Das gilt vor allem für (größere) Organisationen. Bevor man einen Crowdsourcing Wettbewerb durchführt, sollte man intern um Verständnis geworben haben. Es ist auch bei uns vorgekommen, dass im laufenden Wettbewerb die "Sinnfrage" gestellt wurde - das stresst, kostet Zeit und Nerven.

3. Wie ermöglicht man Zusammenarbeit?
Ich bin mir nicht sicher, ob es an den (fehlenden) Tools liegt, oder an unserem konkreten Fall: Jedenfalls haben wir wenig Einreichungen von Design-Teams gesehen, obwohl wir auch "Nicht-Designer" ermutigen wollten, teilzunehmen. Die Diskussionen waren immer sehr kooperativ, und teilweise hat ein Designer eine Einreichung genommen, um sie zu verbessern (was nicht immer im Sinne des Urhebers war). Dennoch denke ich, dass Crowdsourcing mehr Kollaboration zulässt, und in der Offenheit viel Potenzial liegt was noch nicht genutzt wird (bzw. nur im bekannten "Diskussions"kontext, dass man eben eine Fragestellung in Wort oder Video kommentiert). Für uns war das Learning, dass Designer größtenteils lieber eigenständig arbeiten, aber gerne diskutieren ;).

4. (E)skaliere den Aufwand
Ein wichtiger Erfolgsfaktor war, dass eine zentrale Person dem Projekt ein "Gesicht" gab. Das war beim ersten OLP ich, beim zweiten Adam. Allerdings fiel es uns bei beiden OLPs schwer, uns so freizuschwimmen, dass wir Zeit für all die vielen schönen Ideen hatten, die wir uns im Vorfeld ausgedacht hatten. Man sollte daher Ressourcen und einen Plan parat haben, der Handlungsanweisung gibt, falls zu wenig oder zu viel Input von außen kommt.

5. Die richtigen Incentives
Wir haben ja relativ wenig Geld (=0 EUR) für die Promotion des OLP ausgegeben. Dafür haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, welche Preise wir anbieten - es kommt dabei nicht nur unbedingt auf monetäre Vergütung an (The winner takes it all), sondern auf Incentives, z.B. auf ein Interview in der Computer Arts, oder auf die Auswahl eines Preises, der als Köder sehr gut funktioniert. Man sollte versuchen, dass viele derer, die sich richtig reingekniet haben, zumindest *etwas* zurück bekommen (bei uns waren das die bekannten Loser-Shirts). In Sachen "Hauptpreis": Wenn man die Auswahl zwischen einem ipod, iphone, etc. und etwas anderem hat, was eher zur Zielgruppe passt, sollte man lieber ... etwas anderes nehmen ;)

6. Vertrauen in Community, ohne "Diktatur der Demokratie"
Hängt mit dem ersten Punkt zusammen und wurde bei Design-Contests häufiger im Kontext "Mittelmaß gewinnt" vorgebracht: Man sollte genau überlegen, welche Entscheidungen man selbst trifft (muss die dann aber auch umsetzen), und welche Dinge man "auslagert". Wir haben die Erfahrung gemacht, dass beim ersten OLP niemand gemotzt hat, als wir ein Voting eingesetzt haben, um den Gewinner zu ermitteln. Beim zweiten waren aber auch alle einverstanden, dass wir den Gewinner selbst küren (mit Hilfe einer Jury) und nicht einmal ein Voting für einzelne Einreichungen anbieten. Meiner Meinung nach muss man das Involvement der Nutzer gut balancieren: Man sollte nicht zu viel abverlangen, um offen zu sein für Überraschungen - aber die Zügel nach wie vor in der Hand behalten, um im Zweifel "mutige Entscheidungen" selbst treffen zu können (erklären kann man sowas immer), und um nicht jeden Schritt 5x diskutieren zu müssen.
Übrigens, auch das ist "Vertrauen in die Community" - bei beiden OLPs zusammen, d.h. bei mehr als 4.000 Einreichungen, haben wir ganze 2 nicht freigeschalten und vielleicht eine handvoll Designs wegen Copyright Verstoss entfernen müssen ... Das ist denke ich mal ein gutes Zeichen.

7. Projekt fini - Was kommt danach?
Crowdsourcing Projekte wie unserer sind aktionsgebunden und eignen sich nicht zwingend für eine langfristige Kundenbindung. Der OLP-Blog fiel "am Tag danach" von hundert auf null, die Seite ist jetzt noch Museumstück. Auch wenn viele Leute während des Projekts eine Menge Spass haben, ist nach der Preisverleihung bzw. der Auflösung schnell das Interesse weg. Ein paar Leute konnten wir nach dem ersten OLP zwar zum Derby mit rübernehmen, und ein paar vom OLP2 sind (auch/wieder) aktiv bei laFraise, aber erwartet da nicht zu viel.
Das ist vielleicht vor allem bei Crowdsourcing-Plattformen interessant, die ihre Projekte gut timen müssen.

Da ich auch nochmal gefragt wurde, ob wir das Service nicht auch als "Plattform für andere Unternehmen" anbieten würden - ich denke mal, da gibt es je nach Bedarf mittlerweile genügend andere Anbieter, die das besser können (von trnd über voda zu wilogo), und manche Angelegenheiten würde ich sogar als "Chefsache" betrachten und nicht unbedingt aus der Hand geben.

8. Was jetzt?
Das ist der Punkt, den ich in den vergangenen Wochen mit diversen anderen Menschen diskutiert habe: Ich denke, jetzt kommen immer mehr solcher Plattformen und Projekte und es ist an der Zeit ein paar Standards zu definieren, gute Beispiele hervorzuheben. Aus diesem Grund werde ich in den nächsten Monaten einen kleinen Award ausloben, der sich mit dem Thema "wegweisende Crowdsourcing-Projekte" und ganz Allgemein vorbildliches "Kunden-Involvement" befasst. Mehr dazu in Kürze. Meinungen und Mitmacher natürlich wie immer willkommen!

Dienstag, 25. März 2008

Ich hab da ne (Starbucks) Idee

Es geht Schlag auf Schlag -- immer mehr Unternehmen starten Projekte, die landläufig mit "Crowdsourcing" umschrieben werden.
Vor kurzem ist Starbucks mit "My Starbucks Idea" an den Start gegangen. Als Nutzer kann man Vorschläge machen, wie Starbucks in Zukunft verbessert werden kann.
Nachdem Dell's "IdeaStorm" mit mehr als 9000 Vorschlägen wohl sehr erfolgreich lief - aber an mir ehrlich gesagt vorbei gegangen ist, finde ich sehr interessant, wie Starbucks die Sache angeht. Im Grunde genommen ist die Plattform sehr simpel: man registriert sich, und kann dann einfach seine Ideen vorbringen, die dann von anderen bewertet und kommentiert werden können. Wenns gut läuft, wird die Idee von Starbucks umgesetzt. Als Plattform wird Salesforce genutzt, von denen ich bislang auch nicht wusste dass sie dafür eine passende Plattform bieten.

Nach den ersten Tagen wird vor allem diskutiert, wo der (An)reiz des Projekts liegt - und für wen. BL Ochman und PSFK sind skeptisch, ob da die richtigen Leute mitmachen, Adage fragt, ob man damit auch "Nonbelievers" konvertieren, also die Öffentlichkeit adressieren kann. (Ich tippe mal, Trinkgeld durchreichen wäre effektiver).
Patrick vom Werbeblogger fehlen ebenfalls die Incentives, und er schreibt:
Nicht die Inhalte allein zählen - die Belohnung dahinter ist entscheidend!
Das sehe ich nicht so. Zunächt mal sind Ideen halb so viel Wert, wenn sie nicht umgesetzt werden. Ich denke daher, das Missverständnis liegt auch weiter oben, in der Umschreibung der Zielgruppe: es geht hier nicht um web2.0 Kampagne, um Neukundenwerbung und Incentives -- die Aktion ist vor allem für Stammkunden (und längerfristiger) angelegt. Und die sind normalerweise schon sehr zufrieden, und noch zufriedener, wenn sie gehört und ernst genommen werden. Oder, noch banaler: ein "reales" Gesicht vor sich zu haben, wenn man mithelfen will, ein Unternehmen zu verbessern -- was mit dem begleitenden Blog auch angegangen wird. Sicher, das ist sehr .. äh, einfach - und fragwürdig, ob man genau die Zielgruppe mit "nichts" abspeist. Aber es ist ein Start - für ein Unternehmen, das derzeit sicher unter Konkurrenzdruck steht und zwar ganz guten Kaffee gutes "Hype"-Marketing macht, online allerdings noch nicht so wahrgenommen habe. Meint zumindest (EX-Starbucks Marketer) John Moore, der schreibt, dass Starbucks eine Scheu vor dem Online-Zuhören habe. Hätte ich nicht gedacht, aber jetzt weiss ich wenigstens warum freies WLAN auf der Topliste der am meisten geäußerten Wünsche steht...
Ich denke daher auch, dass der größte Anreiz für die Teilnehmer momentan ist, zu sehen was andere denken, und welche Ideen umgesetzt werden.
Klingt unspektakulär, ist aber wahrscheinlich genug - zumindest wenn das Grundgefüge passt. Kann man jedenfalls so nach den ersten Tagen und der Resonanz auf die Plattform interpretieren. Leider ist das ganze nicht sehr transparent, daher weiss ich nicht wie viele Vorschläge genau gemacht werden (ich kann nicht mal den Blog-Artikel von Chris Buzzo verlinken in dem die Rede davon ist, dass tausende Ideen eingegangen sind). Und ich will auch garnicht behaupten, dass die Spielregeln in irgend einer Form wegweisend sind. Ich denke aber, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist - und ein gutes Zeichen. Die Herausforderung liegt ohnehin darin, das Projekt langfristig zu führen.

Und, wie oben bereits angedeutet: bei dell hats erstmal wunderbar funktioniert - und wieder mal gezeigt, dass man "Detractors", also Leute, die Gift speien und negative Mundpropaganda machen, wie beispielsweise Jeff Jarvis, häufig leichter umzudrehen sind als "Neutrale" - weil sie eben bereits eine "emotionale Bindung" zum Unternehmen haben.

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