Also das wird jetzt der schon laaange mal bei
Robert Basic und woanders (mündlich) angekündigte Post zum Thema "Wo warst du von Mitte Dezember bis Anfang März?" Beim
OLP!

Nachdem wir so viel über Open Source Marketing geschrieben, diskutiert, philosophiert haben, haben wir den Selbstversuch gemacht. Beim "
Spreadshirt Open Logo Project" waren Leute in der ganzen Welt eingeladen, gemeinsam mit uns
unser neues Corporate Design zu entwickeln. Nach knapp 3 Monaten ließen wir aus einer Auswahl von rund
1.100 Entwürfen das Gewinnerlogo wählen. Was mir aufgefallen ist hier in aller Kürze, wer das ganze mit beobachtet oder gar gemacht hat, bitte ergänzen.
Haken und Ösen
Auch wenn ich nach wie vor Open Source Marketing für eine wichtige "Bewegung" und Methode halte und mit Spreadshirt kaum ein besserer Nährboden vorstellbar wäre, gab es einige Haken und Ösen. Klar, wenn man etwas zum ersten mal macht, gibt es immer Aspekte, aus denen man lernt. Ein paar Sachen möchte ich kurz auflisten und beschreiben.
Die Technik: Wordpress
Zwar ist
Wordpress eine super Sache, aber ein Großteil der Teilnehmer hatte seine Müh und Not mit dem Erstellen eines Post und Hochladen der Bilder -- besonders kurz vor der Deadline stapelten sich die E-Mails mit Vorschlägen und unvollständige Einträge, so dass wir rund 1600 Dateien hatten, aber nur knapp 1100 vollständige Posts. Besonders bitter: Ungefähr 4 Wochen, nachdem wir unser Projekt gestartet hatten, erschien mit Wordpress 2.0 eine wesentlich besser bedienbare Oberfläche -- leider hatten wir da aber schon alles auf 1.5 gebaut.
Voting: Nur, wenn es Sinn macht!
Da wir nicht wussten, wie viel Feedback der einzelne Designer für seinen Entwurf bekommen würde, haben wir mit "Votio" eine kleine Spielerei angedacht: Jeder einzelne Eintrag sollte mit Hilfe des bekannten 5-Sterne Systems bewertet werden können. Der Vorteil: Es gab Teilnehmer, die für ihren Beitrag gut die Trommel gerührt hatten. Und auch wenn niemand einen Kommentar zu einem Entwurf verfasste, gab es
indirektes Feedback über das Voting. Nachteil: Egal wie oft wir beteuerten, dass dieses Ranking für eine Nominierung nicht ausschlaggebend war -- am Ende gab es welche, die dachten sie seien "um ihren gerechten Preis betrogen worden" weil sie 500 Stimmen hatten, andere hatten ein besseres Ranking, wieder ganz andere beschwerten sich wie leicht das Tool auszutricksen sei und gaben sich Mühe, möglichst unauffällig zu manipulieren. Beim nächsten Mal entweder gar kein Voting oder lieber nur positiv voten lassen, z.B. nach dem "digg" Prinzip -- mittlerweile ist das
mit votio ja auch möglich.
Do you speak English?
Mit einhergehend mit dem Problem eines unverbindlichen Ratings führte die
(Fremd)Sprache englisch immer mal wieder zu Mißverständnissen. Letzten Endes ein Faktor, den wir "auf dem Radar" hatten, auch weil wir eben internationales Publikum adressieren wollten. Daher blieb uns keine Wahl, als eine Reihe von Beiträgen ins englische zu übersetzen. Das war kein Problem, schon eher dass wir wichtige Sachen immer wieder betonen mussten, die trotzdem mißverstanden und falsch interpretiert wurden. So hatte zum Beispiel ein Teilnehmer versehentlich ein neues Cintiq Logo entworfen, worüber sich nun der
OLP Sponsor (Hersteller eines Graifk-Tabletts mit dem Namen "Cintiq") freut ...
Neutralität und Offenheit
Auch was Moderation und Neutralität angeht, habe ich dazu gelernt: In erster Linie habe ich mich darauf konzentriert, zwar aktiv zu sein und Präsenz zu zeigen, das ganze aber nicht zu sehr mit meinem Gesülze zu steuern oder zu viele Beiträge dazwischen zu posten. Zwei mal habe ich die "Grenze der Neutralität" überschrittten und mir nichts groß dabei gedacht. Hierfür wurde ich in Mails teilweise ziemlich stark kritisiert. Z.B. wurde einmal auch negativ angelastet, dass ich auf Kritik eingegangen bin, was der Teilnehmer als "Unsicherheit" mißinterpretiert hatte (sicher auch wegen der englischen Sprache). Gerade, wenn man ein so "offenes" Projekt macht, ist Neutralität (als Moderator) wichtig, genauso aber dass man von Zeit zu Zeit eine klare Linie und Vorgehensweise vorgibt. Dies haben wir mit einem wöchentlichen Überblick umgesetzt.
Preisfrage: Was ist ein Logo wert?
Eine der entscheidenden Fragen zu Beginn des OLP war auch, inwiefern wir einen
Geld/Sachpreis für den oder die Gewinner vergeben. Wir haben uns für eine Kombination entschieden: Auch wenn wir gerne ein "totales Open Source Marketing" Projekt gemacht hätten, wollten wir die Leute für ihren Einsatz be- und entlohnen. Im Nachhinein finde ich das immer noch eine gute Entscheidung, wir haben mit dem Preis die Mühe honoriert, und gleichzeitig nicht zu viele "Pool Sharks" angesprochen die nur aufs Geld aus waren. Auch dass wir offen liessen, wer wie viel bekommen sollte, hat funktioniert. Uns war wichtig, dass es nicht einen Gewinner gibt, sondern mehrere aktive Teilnehmer ebenfalls belohnt werden. Auch die Auswahl unseres Sponsors war eine gute Entscheidung: Ein Grafik-Tablett war genau richtig für die Zielgruppe und vor allem in Frankreich war dieser Preis ein sehr gutes Incentive, wurde oftmals in Foren und in Blogs gepostet.
Für das -- vor allem deutsche -- kritische Publikum hatten wir uns überlegt, dass jeder Teilnehmer die Rechte an seinem Entwurf behält, bis er etwas gewinnt. Das führte am Ende auch dazu, dass viele aktive Teilnehmer
ihre Designs in ihren Spreadshop gehängt haben -- was uns natürlich zusätzlich freute (auch wenn das für Markenmanager alten Schlags der Untergang wäre;)).
Dem Vorwurf, dass das ja alles nur Ideenklau sei und man hier "teure Agenturleistung schnorren" will, bin ich stets begegnet mit diesen sehr offenen Teilnahmebedingungen -- und manchmal auch damit, dass es Plattformen gibt, auf denen man nach kurzem Googlen leichter und günstiger zu einem nicht einmal unprofessionellen Logo kommt :)
Kreativität, Plagiate und Wettbewerbsablauf
Dies war ein entscheidender Punkt: Viele Teilnehmer kannten Design-Wettbewerbe, laut einer Umfrage haben mehr als die Hälfte bereits bei einem professionellen Wettbewerb teilgenommen. Und daher fanden manche die Art, dass wir die Vorschläge "ausstellen" und unser neues Logo wirklich wählen lassen, sehr ungewöhnlich. Nach der Bekanntgabe der 6 Nominierten gab es Diskussionen zwischen einzelnen Teilnehmern, sowohl was die Art des Votens anbelangt als auch wie es zur Auswahl der Nominierten gekommen war. Etwas seltsam fand ich, dass manche Teilnehmer, die 3 Monate beim OLP mitgemacht haben, am Ende lieber eine (fremde) Jury hätte wählen lassen, als das selbst zu tun und die Öffentlichkeit mit einzubeziehen. Am Ende hat sich unser "Distributed Voting", bei dem wir 8 verschiedene Umfragen für verschiedene Zielgruppen aufgesetzt haben, bewährt. Ein weiterer Aspekt ist, dass die eingereichten Entwürfe teilweise durchaus konstruktiv und ausführlich besprochen wurden. Die Anzahl der Plagiate, die man an einer Hand abzählen konnte, wurden sehr schnell identifiziert.
Fazit
Auch wenn ich hier in erster Linie erstmal negative Sachen aufgelistet habe, sollen die positiven Aspekte nicht außen vor bleiben, zumal sie überwiegen:
Wir haben 3 Monate lang die Türen geöffnet, und in dieser Zeit und ohne jegliche "Außenwerbung" von mehr als 600 Teilnehmern mehr als 1.100 Vorschläge für unser neues Corporate Design erhalten. Insgesamt habe ich ganze 2 Entwürfe (!) nicht zugelassen, 4 wurden als Plagiate enttarnt und entfernt. Im Schnitt haben das OLP etwa 1.500 Nutzer täglich aufgerufen, mehr als 60 Nutzer wurden von uns als "aktiv" eingeschätzt.
Wir haben gelernt, wie unsere Kunden uns sehen, uns wahrnehmen, und was ihnen an Spreadshirt wichtig ist.
Ich würde jedem Unternehmen jederzeit empfehlen, ein OLP durchzuführen, es lohnt sich und ist auch eine guter Start für eine "1:1" Kommunikation, für einen Dialog mit den Kunden.
Nach all den Erfahrungen fand ich am schönsten, dass hier eine internationale Community entstanden ist, einige Designer, sowohl die "professionellen" als auch die weniger gestandenen, dazu gelernt haben -- sei es bei der Gestaltung eines Logos, wie man ein Konzept verargumentiert oder wie man sich mit anderen austauscht.
Ganz besonders gefiel mir, dass sich am Ende nicht nur die "seriösen" Gewinner freuen konnten, sondern auch der Gewinner mit den meisten Einreichungen,
Bob Durk, dem wir einen "ntrb" (next time read briefing) Award, ein Schild auf dem einer seiner Entwürfe eingraviert ist, zukommen ließen:
congratulations to ALL of you and thank you to ALL of you - even though i "won" the goofiest category of all
hahahahahahahaha it was a blast!!!!
and the people at spreadshirt were (are) SO NICE!
Bevor ichs vergesse: wer sich bis hierhin durchgekämpft hat und gerne eins unserer OLP-Shirts ergattern möchte -- ich hab noch ein paar rumliegen. Einfach E-Mail an olp AT spreadshirt.net und anfragen.
btw: