spezial

Dienstag, 13. Februar 2007

Keep it Real - ein Changethis Manifesto von Julien Smith.

Als fleißige Leser der Manifestos auf Changethis sind wir neulich über "Keep it Real" von Julien Smith gestolpert:Wir sind nicht mehr die Idioten von früher.
Früher hieß es: „Jeden Tag steht irgendwo ein Dummkopf auf, man muss ihn nur finden.“ Heute ist es so: Jeden Tag fängt einer dieser Dummköpfe an, zu begreifen. Macht euch auf etwas gefasst. Dies ist die Revolution der Idioten – und es ist höchste Zeit. --> mehr
Das fanden wir interessant genug, um es mal eben schnell zu übersetzen. Spricht ja (noch nicht) jeder fließend englisch.

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Keep it Real - ein Changethis Manifesto von Julien Smith.

KEEP IT REAL
Wir sind nicht mehr die Idioten von früher.
Früher hieß es: „Jeden Tag steht irgendwo ein Dummkopf auf, man muss ihn nur finden.“ Heute ist es so: Jeden Tag fängt einer dieser Dummköpfe an, zu begreifen. Macht euch auf etwas gefasst. Dies ist die Revolution der Idioten – und es ist höchste Zeit.

Die Auslöser dieser Revolution der Idioten sind einfach zu begreifen:

Früher war es sehr teuer, miteinander zu kommunizieren (zumindest in der Masse oder über große Distanzen hinweg), wenn nicht sogar gänzlich unmöglich. Doch heute bewerkstelligen wir das ohne Anstrengung und wir hinterlassen überall unsere Spuren. Karma wird zu einer beinahe physischen Einheit in unserem Umfeld und in unserem Bewusstsein. Heute wissen wir nicht nur, dass wir eine bestimmte Firma nicht mögen, wir wissen auch, warum wir sie nicht mögen ... und selbst wenn wir es nicht wissen: wir können es in kürzester Zeit herausfinden.

Es gab Zeiten, da genügte es, einen eingängigen Slogan zu haben, schlau daher reden zu können und gut auszusehen. Heute blicken wir schneller hinter die Fassaden als jemals zuvor. Während jeder Zentimeter unseres Bewusstseins mit Dingen voll gestopft wird, die verzweifelt um unsere Aufmerksamkeit buhlen, sinkt unsere Akzeptanz für Bullshit rapide. Marketingmechanismen, die einst unfehlbar ins Schwarze trafen taugen heute bestenfalls für Streifschüsse und Querschläger.

Wir lernen langsam, Euch zu ignorieren. Wir sind heute auf der Suche nach den Dingen, die uns wirklich etwas bedeuten. Nach Dingen, von denen wir glauben, dass sie uns dabei helfen die Menschen zu werden, die wir sein wollen. Und zwar auch dann, wenn die hübsche Verpackung längst im Müll gelandet ist. Es wird Zeit, dass Sie sich für eine Seite entscheiden: Wollen Sie uns täuschen oder wollen Sie authentisch sein?


Seid Ihr echt?

Dieses Manifest prangert die Verlogenheit der Trend-Maschinerie an. Es folgt dabei dem Prinzip, dass alles was man tut, zu einem zurückkommt. Man kommt nicht mehr einfach so davon. Wir als Individuen haben das längst begriffen. Als Unternehmen hingegen müssen wir uns erst noch dazu überwinden zuzugeben, dass wir mit Göttin der Täuschung im Bunde sind. Wenn Sie ein Unternehmen leiten und sich Sorgen machen, dann tun Sie das vermutlich zu Recht. Sie sind wahrscheinlich einigermaßen clever und stellen fest, dass Ihre Kunden Sie durchschauen. Da entsteht eine ganze Generation, die nicht nur mächtiger ist als Sie, sondern auch wesentlich schneller. Machen Sie sich tatsächlich Sorgen? Menschen die sich Sorgen machen haben gewöhnlich etwas zu verbergen. Und Geheimnisse werden heute schneller gelüftet, als Sie denken. Wir sind mehr als Ihr, wir sind schneller und wir haben 5.000 MySpace Buddies, die Sie auf der Stelle boykottieren, sollten Sie versuchen uns zu verarschen.


Mission = Handeln = Marketing
Hören Sie auf, Sachen zu verheimlichen. Nur Transparenz kann Sie retten.Ich hoffe, Sie haben einen atemberaubenden Keller – denn wir kommen und suchen nach Leichen.Im Hip-Hop verwenden wir das Wort „real“ die ganze Zeit. Ist dieser oder jener Rapper „echt“, ist die Musik, die sie machen „echter“ Hip-Hop oder nicht – das Thema wird heiß diskutiert.

Für dieses Manifest habe ich „echt“ so definiert: „Echt“ bedeutet, menschlich zu sein. Es hilft, wenn Ihre Ausdrucksweise nicht aus der Marketingabteilung kommt. Anders gesagt: Wenn Ihre Firma sonst alles richtig macht, sie aber von allen in Ihrer Branche oder Nische gehasst werden, dann ist es an der Zeit „echt“ zu werden.

Authentizität heißt, das zu tun, was man denkt. Es ist eigentlich ganz einfach. Glauben Sie wirklich, dass Ihr Partner nicht dahinter kommt, wenn Sie ihn betrügen? Authentizität funktioniert genauso. Sie können gerne schummeln – aber die Öffentlichkeit kommt dahinter, dessen sollten Sie sich bewusst sein.

Ein Beispiel: Im Juni 2006 tat sich die Pop-Rap Gruppe Black Eyed Peas mit der Mars Corporation zusammen, um Instant Def ins Leben zu rufen, eine online Mini-Serie. Sie basierte auf einer fiktiven Rap-Gruppe, die während eines Unfalls in einer Snickers-Fabrik Berühmtheit erlangt. Die Website lädt uns auch dazu ein, den „echten Hip-Hop“ zu erleben, seine „playas“, „boo-t“, „grime“ und so weiter. Die Reaktionen aus der Hip-Hop Szene kamen schnell und heftig. „Ich werde sie nicht als Sell-Out bezeichnen, aber ich bin mir sicher, dass es keine Marke gibt, an die sich die Black Eyed Peas nicht verkauft haben.“, so ein Kommentar in einem Blog. In einem anderen hieß es: „Das ist der neue DIN-Standard der Fakeness.“

Jeder Affe hätte bemerkt, dass es sich hierbei um das Hirngespinst eines 50 Jahre alten Marketing-Gurus handelt. Der war sich sicher, dass es total „heiß“ ist und sich bei den „kids“ ganz „viral“ verbreiten wird. Und um möglichst viele mit dieser Pest zu infizieren ermutigen Sie uns sogar, das ganze an unsere „homies“ zu verschicken. Gut für sie. Ich hoffe, sie bekommen eine Gehaltserhöhung. Inzwischen sollten wir gemeinsam uns um ein paar Dinge kümmern.


1. Finden Sie raus, was gespielt wird.


Fakt ist: Die „coole“ Sprache Eurer Kinder ist für sie kein Kult. Es ist die Form der Kommunikation, die sie sich ausgesucht haben. Ihre Sprache falsch zu behandeln und sie ihnen einfach nur zurückzuwerfen beweist lediglich, wie wenig Ahnung Sie haben. Wenn Sie das machen, sind Sie ein Fake. Finden Sie einen Texter, der diese Sprache spricht, und zwar fließend. Wenn weder Sie noch Ihr Texter die Sprache der Leute beherrschen, die Sie erreichen wollen, dann ist einer von Ihnen fehl am Platz. Hier in Quebec, in der Inselstadt Montreal, werden zwei Sprachen gesprochen. Es gibt kein größeres Verbrechen als zu offenbaren, dass man die Sprache, in der man wirbt, nicht beherrscht.

Verstehen Sie das als gut gemeinten Rat. Prüfen Sie Ihre Projekte: Wenn Sie die Sprache nicht fließend beherrschen, dann brauchen Sie jemanden, der das tut. Vertrauen Sie niemandem, es sei denn, er ist Muttersprachler. Wenn Sie diesen Aspekt vernachlässigen, dann garantiere ich Ihnen: Es wird bemerkt.

Ein guter Werber ist wie ein guter Anthropologe. Als Anthropologe lernen Sie, dass man eine Kultur nur dann beurteilen kann, wenn man ein Teil davon ist. Das liegt vor allem daran, dass eine ganze Anzahl der Rituale, die Religion und die Sprache von innen gesehen einen Sinn geben. Von außen betrachtet können sie als purer Unsinn erscheinen. Wie also kann man das alles verstehen? Richtig: Man begibt sich nach innen.

Wie gesagt, ein guter Marketingmensch ist wie ein guter Anthropologe: Sie studieren Menschen wie ein wissenschaftliches Fach. Sie bemühen sich allzeit darum, die Menschen, mit denen sie kommunizieren wollen, besser zu verstehen und wert zu schätzen. Anders gesagt: Man muss keine drei Akkorde spielen können, um Punker anzusprechen. Aber man muss wissen, welche Bedeutung diese drei Akkorde für die Punks haben.


2. Die linke Hand muss immer wissen, was die rechte tut.

Ganz schnell: Nennen Sie fünf Unternehmen, die sich um „Menschen“ kümmern und dennoch davon profitieren, dass sie in Dritte Welt Ländern produzieren. Und? War das schwer? Ich wette nicht. Die Firmen, an die Sie eben gedacht haben werden nicht jedes Jahr die gleichen sein, letztes Jahr was es gap, dieses Jahr ist es eben Apple. Aber es wird immer solche Firmen geben, die mit der linken Hand die Drecksarbeit erledigen und mit der rechten fleißig Hände schütteln. Klar, die Marketingabteilung vermarktet die Ideale des Geschäftsführers, aber die Leute da draußen finden im Internet Dinge über andere Abteilungen Ihres Unternehmens heraus. Über die, die Entscheidungen treffen.

Wikipedia, Google, Blogger: Das sind heute drei gute Wege, um die Wahrheit zu verbreiten. Informationen pochen auf ihre Freiheit, ganz einfach weil sich die Menschen gerne beschweren und weil sie gerne Geheimnisse austauschen. Wollen Sie sich immer noch aus dem Staub machen? Es wird Zeit, dass Sie stehen bleiben und sich stellen.

Merke: Wenn Ihre Marketingstrategie vorgibt, Ihr Unternehmen kümmere sich um Menschen, dann werden Sie auch genau diese Menschen erreichen: Menschen die sich um andere kümmern. Diesen Menschen wird mehr Vertrauen entgegen gebracht und sie teilen gerne die Dinge, die sie mögen. Und weil all die Leichen in Ihrem Keller irgendwann ans Tageslicht gezerrt werden sollten Sie darüber nachdenken, was genau man über Sie erfahren wird (und darüber, wie sie dann das Feuer gelöscht bekommen).


3. Was funktioniert

Mark Ecko, ein bekannter Modedesigner, inszeniert eine aufwändige Aktion, um den Markt zu beeindrucken: In einem Video sieht man Ecko und einen Mittäter über Zäune klettern. Sie entwischen den Sicherheitsleuten und landen schließlich an der „Air Force One“, dem Flieger des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ecko sprüht in großen, stilisierten Buchstaben „Still Free“ auf das Flugzeug und die beiden verschwinden wieder.

Später gab Ecko zu, dass die Aktion inszeniert war. Sie war von vorne bis hinten durchproduziert, inklusive einer angemieteten Boeing 747. „Still Free“ symbolisierte die Art und Weise, wie sich die Amerikaner (vor allem die Jugendlichen) ihre Freiheit bewahren, obwohl man ihnen zahlreiche Fußfesseln anlegt. Eine gute Botschaft.

Hat es funktioniert? Wenn es tatsächlich keine schlechte PR gibt, dann haben sowohl Mark Ecko und die Black Eyed Peas die gegensätzlichen Einstellungen ihrer Fans und Gegner gegen einander ausgespielt. Richt angewendet kann man mit diesem Prinzip das Feuer auf beiden Seiten so lange anfachen, dass die Diskussion darüber wesentlich länger anhält als die übliche Halbwertszeit der Kampagne. In diesem Fall aber fielen die Reaktionen hauptsächlich negativ aus, vor allem die aus der Graffiti Szene. Die meisten monierten, dass Ecko alles andere sei als ein Graffiti-Künstler und dass die ganze Aktion nur eine Werbeaktion für sein Graffiti-orientiertes Videospiel „getting up“ gewesen sei.

Aber wie erlangt man die Aufmerksamkeit einer Generation, die zunehmend zynischer wird und deren Konzentrationsspanne in etwa so lang ist wie die Entfernung zwischen Tastatur und Maus? Vielleicht gibt eine deutsche Adidas Kampagne eine Antwort auf diese Frage. Eine Kampagne, die sich ebenfalls mit dem Thema Graffiti beschäftigte.

Der Fall Adicolor.


Mit dieser Kampagne aus Berlin kam Adidas dem Ziel vielleicht am nächsten, sich auf Augenhöhe mit der Zielgruppe der rebellischen, städtischen Jugend zu begeben.

In einer Aktion, die zahlreiche Meinungsführer der Street Culture im Internet schwer beeindruckte, schaltete Adidas fast rein weiße Plakatwände und ermutigte die Graffiti-Künstler dazu, diese Plakate zu verzieren wie sie gerade wollten. Wenig später kam Adicolor mit einer neuen Version der Plakate zurück: In ganz Deutschland konnte man echtes Graffiti sehen, von authentischen Mitgliedern der Szene gestaltet. Diese Elemente wurden zentraler Bestandteil der Kampagne. Die Botschaft war klar: Adidas wollte, dass sich die Öffentlichkeit an der Unterhaltung beteiligt. Im Gegensatz zu Ecko wollte Adidas uns nicht irgendetwas erzählen, sie fragten nach.

Spekulieren Sie nicht darüber, was wir wollen. Dank der Demokratisierung der Medien, dank der Blogs und des Internet gewinnt der Kunde wieder an Macht. Zeigen Sie, dass Sie dies verstanden haben. Das wird einiges ändern.


STELLEN SIE SICH DRAUF EIN


Im Moment befinden wir uns in einer Übergangsphase. Die herkömmliche Vorgehensweise der Täuschung hat immer noch genug Macht um Ihnen den Spielraum einzuräumen, sich langsam anzupassen. In der Ära, auf die wir zusteuern, ist Authentizität das höchste Gut. Der ungehinderte Zugang zu Informationen macht es möglich, dass jeder sehen kann, wo sie Mist gebaut haben. Verinnerlichen Sie diese Werte, nur dann können Sie auf lange Sicht am Wettbewerb teilnehmen.

Die Lösung ist ganz einfach: Entscheiden Sie sich, wofür Sie stehen. Und dann stehen Sie dazu. Ansonsten ist am Ende nur noch ein Dummkopf übrig: Sie.

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Deutsche Fassung: Tommi Brem / Dorten / Companice
Translated by permission.
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Über den Autor:

Julien ist 27 Jahre alt, Podcaster und Vortragsredner aus Montreal. Er ist der Kopf hinter In over your Head, dem ältesten Podcast in Kanada. Sein Podcast besteht aus einem Teil Gesellschaftskritik, Underground Musik und Kultur und wird jeden Freitag über Sirius Satellite Radio ausgestrahlt. Um den Podcast anzuhören besuchen Sie http://feeds.feedburner.com/InoveryourHead.

Julien betreibt unter inoveryourhead.net einen Blog, der von der CBC in Kanada vor kurzem zu einem der 10 besten Entertainment Blogs gewählt wurde. Seine Arbeit wurde in zahlreichen Publikationen in Kanada und auch weltweit veröffentlicht.
Juliens E-Mail Adresse ist: juliensmith@gmail.com


Über CHANGE THIS:

Changethis ist ein Medium, kein Verlag. Wir ebnen den Weg für gute Ideen. Die Autoren sind komplett selbst verantwortlich für das, was sie schreiben. Das heißt nicht, dass jeder Autor alles gut findet, was auf Changethis veröffentlicht wird. Aber das wissen Sie sicher schon. Changethis wird liebevoll unterstützt von 800-Ceo-reAD. Besuchen Sie unsere Website unter www.800ceoread.com oder lesen Sie unseren Blog http://800ceoread.com/blog/.

Alle Manifests in englischer Sprache: http://www.changethis.com


RUNTERLADEN

Die englische Originalfassung finden Sie auf http://changethis.com/31.03.KeepItreal

Donnerstag, 24. August 2006

Fussballrasen is coming home.

Da isser. Mein Stück Fussballweltmeisterpetzenkopfstoß-Rasen aus Berlin. Laut Zertifikat ausgeschnitten auf dem Spielfeld unten links irgendwo.

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Ist da was wichtiges passiert, im Endspiel? Ich habs ja nicht gesehen ...

Was ich sagen wollte: Quelle hat ja im Vorfeld der WM in einem Husarenstreich den Endpsielrasen gekauft und die Stücke mehr oder weniger gekonnt vermarktet.

Im Ansatz gut, aber dann schlecht abgeschlossen, die Idee:


0. Das PR und Marketingpotenzial wurde imo nur zu ca. 8,3 % ausgenutzt.

1. Das Acryl ist sehr weich, da hat man in Nullkommanix Kratzer drin. Am besten auf ein Samtkissen legen und ne Glasglocke drüber.

2. Die Plakette vorne ist nur bedruckt und nicht graviert, es steht nicht drauf wer gespielt hat, es steht nicht drauf, wer gewonnen hat.

3. Im Zertifikat ist zwar die ungefähre Stelle (so auf 50qm genau) angegeben, wo der Rasen herkommt, aber auch da steht nicht, wer gewonnen hat, wer Tore geschossen hat oder sonst irgendwas.

Was man hätte tun können:


z.B. eine Grußbotschaft in der Landessprache des Siegers (auch wenns Petzen sind) vorbereiten und die dann beilegen und die Nationalfahne (en vogue!) mit auf die Plakette drucken.

Das hätte ich noch gut gefunden. Mal ganz abgesehen von einer Kooperation mit einem namhaften Sportartikelhersteller oder so.

Aber das Ding sieht ganz gut aus. Muss man sagen.

PS: Den Werbeprospekt für DFB-Bettwäsche hättest Du Dir sparen können, liebe Quelle.

PPS: Hat jemand den Naturrrasen bestellt?

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Werbung in Computer-Spielen

Okay, einen hab ich noch vor der großen Reise ;)

Angestachelt durch das Interview mit Justin Townsend im TRND-Blog, in der er über Werbung in PC-Spielen spricht.
Die wesentlichen Gründe für eine Beschleunigung bzw. stärkere Vermarktung von "Werbeflächen in Computerspielen" habe ich im Kommentar schon kurz reingehackt, hier nochmal etwas ausführlicher:

* Spieleproduktionen werden immer teurer. Es ist ein bisschen wie bei den Kollegen in Hollywood: Die Spiele-Industrie ist längst im Mainstream angekommen, der Druck auf Macher wächst kontinuierlich. Die Engines werden aufwändiger, die Konzepte und Storyboards komplizierter (dadurch nicht unbedingt besser, aber das ist eine andere Geschichte). Kaum ein Studio kann sich noch einen Flop leisten. Dadurch ist absehbar, dass eine Reihe von Spieleherstellern künftig auch stärker durch In-Game Werbung das Budget aufbessert. Außerdem ist es natürlich besser, wenn gleich mehrere Promoter auf die Buschtrommel kloppen. Allerdings werden ad-hoc Projekte wohl auch in Zukunft eher auf den Bauchladen der Möglichkeiten und z.B. kleinere Flashgames setzen müssen. Werbeplatzierung in einem mehrjährigen Prozess ist sensibel und wird wohl eher "strategischen" und langfristigen Partnern vorbehalten bleiben.

* Mit besseren Spiele-Engines und "reiferen Konzepten" ergeben sich mehr Möglichkeiten. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal Werbetafeln auf einem britischen Counter-Strike Server gesehen habe. Ein echter Fremdkörper. Ganz so "simpel" wird es in Zukunft nicht mehr sein, Werbefläche in Computerspielen zu platzieren und dem sensibilisierten Publikum zu präsentieren. Es wird immer sehr erfolgreiche Spiele geben, in denen die Werbewirkung eher zurücksteht, wie bei Sportspielen oder Simulationen. Sie liegen damit in der Tradition des Moorhuhns (once again), das wohl nur in Marketing Blogs in einem Atemzug mit Johnnie Walker genannt wird.

Eine bleibende Wirkung erzielt man eher in einem "Rundum-Event" wie beispielsweise dem "Intel Friday Night Game" oder einem eigenständigen Projekt, das an ein bestehendes Spiel andockt, so wie "Stagecoach Island" von Wells Fargo: Hier hat die Bank einfach ein Stück virtuelles Land gekauft und bringt dort den Kindern den Umgang mit Geld bei.
Was mich als Leser von Tim Renners Buch außerdem brennend interessiert, ist, wie so ein Deal mit der Lizenzierung aussieht. Z.B. bei Musiktiteln, aber auch, was ein Oliver Kahn so kostet.

* TV verliert Zuschauer. Natürlich hat der Kampf schon begonnen, denn auch die Spielebranche fightet um jeden Gamer: Spiel für Spiel, Ausgabegerät für Ausgabegerät. Letztendlich ein guter Nährboden für die Unternehmen, die ohnehin schon jeden anderen Raum eingenommen haben. Vor allem, da die "attraktive" Zielgruppe ja nicht mehr jeden Abend vor der einen, sondern häufiger vor der anderen Glotze hängt -- und zwar die, in der Werbung eher als "authentisch" und daher meist positiv wahrgenommen wird.

Mittwoch, 21. September 2005

(Vespa) Stealth Marketing

Durch den Hinweis im TRND Blog von Freitag letzte Woche wurde ich daran erinnert, dass ich ja der Diplomarbeit von Sabine Andres noch einen Eintrag schuldig bin (hier, ganz unten). Sie hat in ihrer Arbeit das Thema Mundpropaganda, "Undercover" und "Buzz Marketing" untersucht, Unterzeile: "Warum müssen Unternehmen ohne Botschaft werben?"
Dabei befrug sie u.a. Experten wie eben Reinhard Altmann von TRND, Peter Waibel (JvM Neckar) und Martin Oetting von Connected Marketing (der letzte Woche auch das Buch, an dem er mitwirkte, kurz streifte). Wie ich finde, hat sie auch ein paar schöne Beispiele zum Thema recherchiert, wie z.B. die Promotion Aktion von SonyEricsson oder dem P5-Glove von Essential Reality.
Außerdem hat sie eine Abgrenzung zwischen "Viral" und "Buzz" gezogen, die mir gut gefällt und die ich hiermit mal zur Diskussion stelle:
Und auf diesem Bild ist kein Hund!

Demnach ist viral eine "fertige" Botschaft, die durch eine Mechanik verbreitet wird. Buzz ist selbst Teil der Botschaft, d.h. der Inhalt der Botschaft kann variieren und sich von Weitergabe zu Weitergabe verändern. Wobei sich beide Methoden natürlich teilweise überschneiden (unter dem Dach Mundpropaganda Marketing).

Mittwoch, 29. Juni 2005

Zuhören kann jeder

Ein Artikel in der BtoB Online beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Mundpropaganda im B2B Bereich etwas neues ist, überhaupt möglich, vielleicht sogar schon stattfindet? Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Ein logisches Argument hierfür liefert die Annahme, dass niemand eine Anschaffung im 5- oder 6-stelligen Bereich tätigt, ohne sich vorher mit jemandem unterhalten zu haben, der mit dem Hersteller oder dem Produkt bereits Erfahrungen gemacht hat. Daher lohne es sich, erfolgreiche virale Maßnahmen aus dem B2C Bereich, wie etwa Burger Kings Subservient Chicken, näher zu analysieren und den Mundpopganda Betreibern wie BzzAgents und dergleichen, äh, mal "aufs Maul zu schauen" um Mundpropaganda systematischer einzusetzen. Denn, und das finde ich einen weisen Ansatz, "zuhören kann jeder".

Ich bleib dabei: Für mich eignet sich gerade der B2B Bereich ausgezeichnet für Mundpropaganda -- weil der "finanzielle Streuverlust" einfach geringer ist und die meisten B2B-Unternehmen, die ich kenne, einen hervorragenden Nährboden bieten (z.B. Außendienst; komplexe, erklärbedürftige Produkte etc.).
Mit anderen, einfacheren Worten: Toll, dass Thyssen superinnovative Aufzüge baut. Aber wie sie funktionieren, weiss ich trotzdem nicht. Und vor allem: in naher Zukunft werd ich wahrscheinlich erstmal auch keinen kaufen. (via Ben McConnell & Jackie Huba)

Btw: auch ganz interessant sind die 5 wichtigsten Regeln für erfolgreiches Marketing von Guru Philip Kotler. Auch wenn ich Starbucks mittlerweile nicht mehr lesen kann. (via Brand Autopsy)

Mittwoch, 1. Juni 2005

Alles muss raus!

Gewinnspiel Teil Zwei.

Nachdem der glückliche Gewinner der "Saalwetten-Aktion" von letzter Woche sein Shirt mittlerweile hoffentlich erhalten hat, brezeln wir noch ein T-Shirt in Eure Richtung. Damit kann man prima das Auto polieren oder das Sommerloch stopfen.
image.php
Dieses Mal wird es etwas schwerer für Euch:

1. Schreibt uns die gewünschte Größe und Eure Adresse.
2. Die höchste Hausnummer gewinnt.
3. Wenn die Quersumme der Hausnummer "5" ergibt, gibt's einen hübschen Button dazu.
4. Einsendeschluss: Freitag, 03.06.05, 23:59 Uhr

Hier hin: companice @ gmail.com

PS: Vorschau: Demnächst erscheint hier ein Beitrag zum Thema "Product Placement in Literatur". Endlich. Darauf haben wir gewartet. Ebenso in Arbeit: Spamcast Vol. 2

Donnerstag, 19. Mai 2005

Emanuel Rosen ist verwirrrrrt

Emanuel Rosen ist einer derjenigen, die "Buzz Marketing" in eine Form (= in ein Buch) gossen. Für MarketingProfs hat er einen Artikel über die 5 Mißverständnisse des Word of Mouth Marketing geschrieben. Dabei relativiert er zunächst mal die ganzen Buzzzzz Wörter, die ihn manchmal selbst verwirren und ja doch irgendwie alle mehr oder weniger dasselbe meinen. Besonders interessant finde ich, neben dieser sympathischen Einleitung, vor allem Punkt 2 und 4:
2. 'All you need is a good product, and the rest will take care of itself'
Rosen ist der Meinung, es genüge nicht, einfach nur ein gutes Produkt zu entwickeln. Das mag stimmen, ich finde aber das ist nicht der Punkt: Denn wenn ein Produkt wirklich gut ist, kann man jederzeit darüber diskutieren, wie man es am besten vermarktet.
Das Problem ist doch eher, dass zu viele Unternehmen noch immer damit beschäftigt sind, wie sie ihr Me-too-Produkt vermarkten, als sei es der neue Messias. Und aus Schiete Gold zu machen, ist viel häufiger die Paradedisziplin der Werbung, als aus einem guten Produkt alles rauszuholen.

Punkt 4 ist ebenfalls interessant und behandelt die Wirkung der Opinion Leader:
4. 'To get buzz going, all you need to do is find those early adopters/connectors/evangelists (or simply really cool people)'
Man darf sich als Marketeer nicht darauf verlassen, dass die Opinion Leader, einmal infiziert, das Ding schon wuppen werden. Irgendwann muss man mit der Kommunikation in die Breite gehen, damit die weniger Risikofreudigen der "späten Mehrheit" das Produkt auch für sich entdecken können. Und dann gilt das "Purple Cow Mantra": Höchste Zeit, die lila Kuh abzumelken! Häufig bedeutet das, die Opinion Leader unter Umständen zu vergrätzen, bzw. davon auszugehen, dass die bereits wieder weiter gezogen sind.

Wie das geht, sieht man derzeit wunderschön am iPod (und in der Mode offensichtlich an Mokassins, aber das ist ein anderes Thema).
(via IXMA)

Mittwoch, 18. Mai 2005

Die eBay Verschwörungstheorie.

oder: warum es keinen Ratzinger-Golf gibt.

Das bestehende Markenkapital von "3-2-1 eBay" ist geprägt durch eine heile Welt vertrauenswürdiger Mitglieder, einer großen und lebendigen Community -- und die immer mal wieder für Aufsehen sorgenden Ausreisser, die "Fun-Auktionen".

Bereits die ersten Auktionen, die nicht im Sinne des schnöden Verkaufs angelegt wurden, sondern Publicity-Zwecken dienen sollten, wie etwa Keith Obadikes "Blackness Auktion" von August 2001, führten häufig zur erwünschten Aufmerksamkeit. Im Laufe der Zeit haben wir gemerkt: Nichts ist abstrus genug, um nicht auf eBay einen Bieter zu finden. Und je unglaublicher es wird, desto eher wird geklickt. Geschickt für eBay: Als neutraler Anbieter steht man zwar im Hintergrund, aber wird immer mehr zum Synonym für den "Marktplatz Welt", die Verrücktheit des Lebens -- ohne auch nur einen Finger zu rühren (– es sei denn, ein Artikel muss gelöscht werden).

Von Luftgitarren, Stefan Raabs Büroklammer, einer verhexten Spielkonsole, der Marienerscheinung auf einem Toast oder auch einfach nur 6 Schicksen mit nem Kasten Bier: das waren Trafficbringer und dankbare Sommerlochthemen. Und, unbestritten auch ernsthafte Maßnahmen zur Markenbildung des eBay-Universums. Die Medien griffen den Ball gerne auf, schüttelten gemeinsam mit uns, den Lesern und Bietern, den Kopf, entfachten wie im Falle des Papst-Golfs sogar einen echten Buzz.

Begeben wir uns nun in die Vorstellung, dass viele dieser hochgepushten Auktionen bei eBay geplante Marketingaktionen wären: Ein Instrument, das man zwar nicht im Impressum oder bei den Media-Daten findet, aber zwischen den Zeilen buchen kann wie eine Anzeige. Wir haben darüber nachgedacht: Es wäre ziemlich dreist, clever und für die Nutznießer extrem billig (Win-Win-Win). Wir haben das mal aufgedröselt.

Szenario 1:

1: Jemand besitzt ein Objekt und bietet dieses auf ebay an.
2: Die Bieter geben ihre Gebote ab.
3: Ein (unbekannter) Käufer ersteigert das Objekt für eine bestimmte Summe (X Euro).
4: Der Käufer bezahlt diese Summe an den Verkäufer.
5: eBay erhält dafür eine Gebühr von einem bestimmten Prozentsatz von X (%X)

abb_02

Die Medienwirkung (M) dieser Auktion verhält sich in diesem Falle exponential zu X.

abb_01

Die Summe für die Medienwirkung beträgt für den Käufer also X.
eBay gewinnt zusätzlich zur Medienwirkung %X.
Die Geldsumme die insgesamt fließt beträgt X + %X.

Szenario 2:

Eine andere Situation wäre diese:

1: Jemand besitzt ein Objekt und engagiert einen Mittelsmann, um es bei eBay zu verkaufen. Er bietet ihm dafür ein "Gehalt", z.B. einen Prozentsatz von der zu erzielenden Summe (X).
2: Die Bieter geben ihre Gebote ab.
3: Er selbst ersteigert sein Produkt (bzw. ein "eBay Marketing Mittelsmann")
4: eBay erhält dafür eine Gebühr von einem bestimmten Prozentsatz, die aber vom eigentlichen Besitzer beglichen wird.

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Die Medienwirkung (M) dieser Auktion verhält sich in diesem Falle ebenfalls exponential zu X, mit dem Unterschied, dass X nie ausbezahlt wird.

Die Summe für die Medienwirkung für den Käufer beträgt also Gehalt + %X, was der tatsächlich geflossenen Geldmenge entspricht. eBay verdient auch bei diesem Modell %X zusätzlich zur Medienwirkung.

Interessanterweise muss das Objekt in diesem Falle bereits gar nicht mehr existieren, außer es handelt sich um ein Produkt, das "besichtigt" werden muss/kann/darf. Generell reicht es, wenn eine Abbildung existiert. Der Käufer muss dafür sorgen, dass der Mittelsmann die Schnauze hält, was mit Hilfe des Gehalts geschieht. (Ver/Ersteigert man selbst sein Produkt, kann man die Position "Gehalt" sogar auf 0 setzen!) Ein interessantes Szenario, das lediglich mit dem ungewöhnlichen Artikel (den es nicht mal geben muss) steht und fällt.

Szenario 3:

Denken wir diese Situation noch einen Schritt weiter und bescheinigen wir sowohl dem Käufer als auch eBay einen bestimmten Bedarf an Medienwirkung.

1: Der Auftraggeber (und eBay) engagiert einen Mittelsmann, um ein Objekt bei eBay zu verkaufen. Sie zahlen ihm dafür ein "Gehalt", z.B. einen Prozentsatz von der zu erzielenden Summe.
2: Die Bieter geben ihre Gebote ab.
3: Der Auftraggeber ersteigert das Objekt für die Summe X, wobei eBay dafür sorgt, dass niemand anders es "bekommt" (Serverausfall etc.).

abb_04

Der Preis für die Medienwirkung beträgt für den Käufer also nur noch die Höhe des "Schweigegeldes". Also eigentlich nur noch 50% davon, wenn der "Aufraggeber" und eBay eine entsprechende Vereinbarung haben.

Die anderen Bieter sind in diesem Falle zu vernachlässigen, da eBay steuernd eingreifen kann. Die Summe des Endgebotes hat nur noch symbolischen Wert, da sie nie den Besitzer wechselt, genauso wenig wie das Produkt.

Die Medienwirkung ist so fast geschenkt, wo sie in Szenario eins doch schon sehr günstig war. Das Produkt gerät in den Hintergrund, zusätzlich gewinnt ein weiterer Faktor: Der auszuhandelnde Preis. Denn (=Lincoln Fry / Papst-Golf Learning): je höher der Preis für eine Absurdität, desto mehr Traffic. Bingo!

Fazit:

eBay-Marketing= Bingo-Marketing! Auf den Punkt gebracht: Wenn Golden Palace und eBay gemeinsame Sache gemacht haben, entsteht eine klassische Win-Win Situation für beide (und den Anbieter +Win). Zwar ist die Medienwirkung im Vergleich zu den entstandenen Kosten für Golden Palace noch sehr gut (für eBay sogar kostenlos), aber andersherum wird doch eher ein Schuh draus. Oder doch nicht? ...

Fest steht: Wenn Sie als Marketingbeauftragter tätig sind und es noch nicht längst tun, sollten Sie dringend mal über diese Form des "eBay-Marketings" nachdenken.

Ähm, nur für den Fall: Es handelt sich hierbei um ein rein fiktives Modell. Ähnlichkeiten zu wirklich existierenden Auktionen sind bewusst herbeigeführt und lediglich zur besseren Veranschaulichung konstruiert worden.

Freitag, 13. Mai 2005

Software Patente

Über die VLC-Site bin ich vorhin wieder auf eine No Software Patente Aktion gestolpert und hab mich dieses Mal zumindest *etwas* damit beschäftigt. Das Ergebnis ist dieses:

antragabgelehnt_big

Tommi hat einen Button gebaut, ich hab kurz was dazu geschrieben: Wir möchten die Anti Software Patente Initiative unterstützen, bevor es zu spät ist. Der Button und die Wikiseite sind ein Schnellschuss, vielleicht können wir ja noch eine kleine (OSM?) Aktion hinterherschieben? Anregungen sind gerne erwünscht, wir denken auch weiter drüber nach wie man das am besten anstellt.

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ami - 2. Mai, 10:06

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